Donnerstag, 27. Dezember 2007

My wicked chrissie!!!- Mein verrücktes Weihnachten!!!

Puh geschafft!!! – So habe ich den Artikel über meine Trekkingtour durch den Norden Thailands begonnen und genauso beginne ich meinen Artikel nun erneut.

Puh geschafft!!!

Ich habe die Weihnachtszeit, oder besser gesagt die WeihnachtsFEIERtage erfolgreich hinter mich gebracht. Dass die australischen Weihnachtsfeiertage mehr Feiern als Weihnachten beinhalten soll bei diesem Bericht verstärkt herauskommen.

Ich habe meinen Heilig Abend, also den 24. Dezember, damit begonnen mich um vier Uhr morgens aus dem Bett zu quälen, um meine Weihnacht mit einem Sonnenaufgang über dem Meer beginnen zu können.

Ach so, ihr wisst ja gar nicht wo ich mich gerade aufhalte. Um euch aufzuklären, ich bin in Byron Bay, welches jedem Backpacker auf seiner Australientour mindestens einmal zum Schlaf- und Vergnügungsplatz wird. Byron Bay befindet sich am östlichsten Zipfel Australiens und ist eine weitere Strandstadt auf meiner Reiseroute Richtung Norden, Richtung Cairns. Auszeichnen tut sich Byron Bay durch sein hippesques (wie schreibt man das?!) Flair und die Perfektion der australischen „Laid-Back-Mentalität“. Alles läuft ein bisschen langsamer, freundlicher und gesünder ab, als in den Großstädten wie Sydney oder Brisbane. Auf der anderen Seite ist Byron Bay ein Partytempel für Backpacker. Ich glaube über 15 Backpacker-Hostels hier gezählt zu haben. Die Kakophonie der allabendlichen Partygeräusche und Smalltalks wird durch die deutsche Sprache hier stark geprägt. Die Chance, dass dein gegenübersitzender Gesprächspartner auch der deutschen Sprache mächtig ist, liegt fast bei 50 Prozent. Aber ich fühle mich hier trotz der deutschen Invasion sehr wohl. Gerade da mein Hostel ein Traum ist. Ich habe, Gott sei Dank, über Weihnachten und Sylvester einen Platz in der „Arts Factory“ bekommen. Hierbei handelt es sich um das wahrscheinlich beste Hostel Australiens. Zumindest wird es so durch Mundpropaganda weitergegeben. Es befindet sich außerhalb des Stadtzentrums im Regenwald. Geschlafen werden kann in Tippizelten, umgebauten Bussen, normalen 10 Bettzimmer oder in seinem eigenen Zelt auf dem anliegenden, im Regenwald versteckten Zeltplatz. Ich habe die ersten Tage noch im Zimmer übernachten, wechsle jetzt aber meine Übernachtungsart und ziehe in mein eigenes Zelt. Ja, ich habe mir hier ein Zelt zugelegt. Eigentlich schon in Port Macquarie und ich habe es seitdem immer, an meinem großen Backpack geschnallt, mitgeschleppt, bevor es nun endlich das erste Mal zum Einsatz kommt. Das Hostel verfügt darüber hinaus noch über einen schönen Pool mit Whirlpool, einer Sauna, Beachvolleyballfelder und vielen vielen Leute. Es ist aber leider immer das gleiche: Umso größer die Anzahl der Backpacker, umso größer ist auch die Anzahl an Dreck und unabgespülten Küchenutensilien. Aber dass muss man halt auf sich nehmen. Man macht ja auch nicht im Urlaub im Luxusresort. Das Hostel ist reich bestückt mit Hängematten und Plätzen an denen man relaxen kann. Aber ich sitze oft nur da und beobachte die Leute, die meist unglaublich kreative Gestaltungsmöglichkeiten gefunden haben ihren Körper zu bedecken. Gerade die Japaner die bei uns sind, sind unglaublich auffallend geschmückt. Vielleicht schaffe ich es noch irgendwann Fotos von ihnen zu machen.

Whatever. Ich wollte euch ja eigentlich von meiner australischen Weihnachtserfahrung berichten.

Ich bin, wie schon erwähnt, zu sehr früher Morgenstunde aus der Feder gesprungen und habe den Bus Richtung Leuchtturm Kap Byron Bay genommen. Dort habe ich den Sonnenaufgang am Horizont betrachtet. Ich glaube hier lass ich wirklich die Fotos selber davon erzählen, da meine Worte diese Farbenprächtigkeit sicher nicht im würdigen Maße widerspiegeln könnten. Nur eins muss gesagt sein. Wer hier an der Ostküste die Sonne so rot über dem Meer sehen will, muss früh aufstehen. Da man leider auf der Ostseite Australiens keine Sonnenuntergänge am Horizont sehen kann, solange man sich nicht auf einer Insel befindet. Ich hoffe, dass irgendjemand meinem Opa die Bilder zeigen kann. Würde mich sehr freuen.

Diese Morgenröte war der perfekte Beginn einer wunderschönen Weihnacht. Nachdem ich im Hostel dann nochmals ein bisschen Schlaf nachgeholt hatte, habe ich ausführlich mit ein paar deutschen Freunden gefrühstückt. Danach habe ich mich in der Stadt auf die Suche nach einer Kirche gemacht, um den ganzen konsumorientierten Weihnachten zumindest kurz am Abend den Rücken zuzukehren. Ich wurde recht schnell fündig und stand vor einer katholischen Kirche. Leider sind die Kirchen in Australien nicht so alt und daher nicht so feierlich. Aber auf die Kirche und den Gottesdienst komme ich nachher noch mal zu sprechen. Nach der erfolgreichen Suche, habe ich die weihnachtliche Stimmung in der Stadt versucht aufzusaugen. So führte mich mein Spaziergang vorbei an Strand, den Geschäften, die gefüllt waren mit den „Last-Minute-Geschenke-Einkäufer“, den vielen Restaurants und Cafés. Da die Australier den Heilige Abend nicht primär feiern, konnte man sehr schnell die vielen europäischen, speziell deutschen Touristen erkennen, die ihr Weihnachtspicknick am Strand gefeiert haben.

Sonst konnte man am Strand noch eine besonders merkwürdige Gattung Mensch beobachten, die in Bikini, schon reichlich geröteter Haut und Santa Claus Mützen der UV-Strahlung frönten.

Der ganze Stress, prickelt während meines Spaziergangs förmlich von mir ab, da ich mein Weihnachten so verbringen konnte wie ich wollte. Ich war nicht gefesselt an Termine, Geschenke besorge und Hektik. Auf der anderen Seite vermisste ich aber auch die Geselligkeit und man mag es kaum glauben, das Wetter. Ja so ein bisschen Schnee und dann einen Glühwein hätte mir schon gefallen. Es wäre schön, dass ganze mit meiner Familie und meinen Freunden teilen zu können. Gut, dass gerade nur die halbe Weltkugel zwischen uns liegt. So beobachte ich in Ruhe wieder Leute. Kleidung ist sehr wichtig. Speziell rote Santa Claus Mützen mussten sein. Man sah vermehrt weihnachtlich geschmückte Leute, ihre Einkäufe nach Hause bringen. In einem Arm die Einkaufstüte von Quicksilver, in der anderen einen Kasten Bier. Ja, am darauffolgenden Tag, dem Christmas Day, also am 25. Dezember sind die Geschäfte geschlossen. Sehr ungewöhnlich in einem Land, in dem sonst die komplette Woche die Läden geöffnet haben. Daher gerieten alle in Panik und musste den Alkohol für die nächsten zwei Tage kaufen. Es waren ja immerhin WeihnachtsFEIERtage. Nachdem ich mir noch einen gesunden, organischen „Fruchtsmoothie“ gegönnt hatten, es war ja immerhin Weihnachten, machte ich mich langsam wieder auf in die Arts Factory.

Angekommen hatte ich grad noch Zeit mich ein bisschen frisch zu machen und was schnelles zu Essen bevor ich mich dann wieder Richtung Stadt, Richtung Gottesdienst aufmachte. Laufen, laufen, laufen. Das ist eigentlich meine Hauptbeschäftigung auf meiner Reise. Da ich sehr oft ohne Schuhe umherwandere, werden meine Füße durch die Hornhaut auch immer unempfindlicher. Ich habe in der Kirche sehr früh gemerkt, dass die Besucher prozentual den gleichen Generationsschichten zuzuordnen waren, wie bei uns. Ich war nicht mehr in der Hillsong-Church, in der viele, sehr viele jugendliche Gläubige unterwegs waren. Hier waren wieder wenige, sehr wenige Jungendliche zu finden. Ministranten gab es gerade drei. Der ganze Gottesdienst war schön, aber nicht sehr feierlich. Der Aufbau war gleich dem einer normalen sonntäglichen Eucharistiefeier. Kein Krippenspiel, kein dramatisches Vorlesen der Weihnachtsgeschichte, dafür aber Stille Nacht, Heilige Nacht. Im Gesangbuch stand der Titel sogar noch in Deutsch. Sogar in der Kirche konnte man die australische „Laid-Back-Mentalität“ beobachten. Kinder hüpften um den Altar und spielten mit den Krippenfiguren. Die Musik bestand aus einer Jazzorgel und einem Schlagzeug. Gesungen wurden amerikanische Christmaschorals. Was mich sehr geärgert hatte, war, dass einer der ersten Lieder, die ich in meinem antikommerziellen Zufluchtsort zu Ohren bekam, „Rudolf, the red nose raindeer“ war. Naja! Im Gottesdienst selber gab es viele Momente in denen in euch daheimgebliebenen gerne gesehen hätte. Ich hätte gerne die tolle Stimmung an Weihnachten zu Hause gespürt mit meiner Familie und meinen Freunden. Gerade nach dem Gottesdienst gab es für mich keine „fröhliche Weihnachten“-Wünsche. Aber dafür ist es ja auch ein anderes Weihnachten, eine neue Erfahrung, eine Erfahrung reicher.

Nach dem schönen Gottesdienst bin ich dann noch zum Strand, auf der Suche nach ein bisschen Unterhaltung. Zu meiner Überraschung war aber am Strand fast keiner anzufinden. Dafür sollte am nächsten Tag der Strand im Mittelpunkt stehen. Daher begnügte ich mich mit der Feier in der Arts Factory. Es ist nur immer schwer zu einer Party dazuzustoßen, wenn alle schon seit fünf Stunden dabei sind. Aber so verbrachte ich den restlichen Abend damit mich mit ein paar neuen Bekanntschaften zu unterhalten. Die Stimmung war recht ausgelassen. Um halb drei habe ich dann beschlossen meinem Bett einen Besuch abzustatten. Leider kam dann die nächste Weihnachtsüberraschung. In meinem Schlafsaal hatte sich ein Paar beschlossen noch ihre körperlichen Weihnachtsgeschenke zu geben. So schloss ich die Tür leise wieder und machte noch einen halbstündigen Spaziergang durch die Arts Factory. Beim zweiten Versuch ins Bett zu gehen, war dann das Licht aus und es war ruhig, sodass ich schön in den 25. Dezember hinein schlafen konnte.

Der nächste Tag begann erst um halb zwölf, zumindest für mich. Nach einem Frühstück habe ich mich dann mit ein paar Freunden kurzgeschlossen, wie wir Weihnachten denn nun endgültig verbringen wollen. Strand, war die einstimmige Entscheidung. Gott sei Dank, hatte die Arts Factory ein großes BBQ organisiert. So machten wir uns auf den halbstündigen Weg zum Strand. Dort erwarteten uns dann schon die über hundert anderen Backpacker. Es gab reichlich Gegrilltes. Vorwiegend Scampis. Dazu gab es Freibier und Freiwein. Die Uhr zeigte inzwischen ein Uhr mittags. So platzierten wir uns zwischen die vielen Gruppen von singenden, lachenden und essenden Leuten. Die Stimmung war super. Die Party hatte den richtigen „Vibe“. Jeder verstand sich mit jedem. Wenn man mal keinen richtigen Spruch zum Beginn einer Konversation auf den Lippen hatte, konnte man allen immer noch „Merry Christmas“ wünschen. So lagen wir nun in der Nähe vom Strand in der Mittagssonne mit BBQ und Bier und feierten unser ganz persönliches, australisches Weihnachten. Anders aber irgendwie wunderschön. Zwischendurch organisierten sich Gruppen zum Cricket oder Fußball spielen. Der Surfboardverleih war an diesem Tag umsonst und das Meer eine willkommene Erfrischung zwischen Scampi, Wassermelone und Bier. Ich habe mich während der Party in Gruppen von Holländern, Kolumbianer und Deutschen (en másse) wiedergefunden. Zwischendurch habe ich dann noch einen Spaziergang zur Aussichtsplattform des östlichsten Punkt Australiens unternommen. Der Tag ging dann so weiter. Als es langsam dunkel wurde haben wir uns alle am Strand versammelt, um die Weihnachtssonne untergehen zu sehen. Dabei sind auch die Sonnenuntergangsbilder entstanden. Bevor es komplett dunkel wurde, machten wir uns auf den Heimweg, Richtung Arts Factory. Dort feierten wir dann noch ein bisschen weiter bis ich mich dann glücklich ins Bett aufmachte. Dieses Mal ohne Überraschungen.

Oh mate, what a wicked chrissie!! Ich hatte echt ein wunderschönes Weihnachten und hoffe ihr auch.

Merry Christmas!

Bis dann

Euer Flo

Mein Weihnachten 2007

Chrismas Byron Bay

Dienstag, 18. Dezember 2007

Fröhliche und friedvolle Weihnachten!!!

Hi an alle,

Ich wünsche euch zuerst mal frohe Weihnachten. Ich hoffe ihr habt eine schöne Adventszeit hinter euch und ein gesegnetes Weihnachtsfest vor euch.
Ich bin immer noch in der Hafenstadt Port Macquarie, in der ich meine letzten zwei Wochen verbracht habe. Das ich hier so lange geblieben bin, liegt daran, dass in meinem Hostel eine kleine Arbeitsstelle gefunden habe. Ich war ja die ganze Zeit auf der Suche nach Arbeit zwischen Sydney und Byron Bay, wo ich mein Weihnachten und Sylvester verbringen werde. Mit Arbeit sah es aber sehr sehr schlecht aus. Zuerst weil es in dieser Gegend um diese Zeit nicht viel Arbeit gibt und zweitens weil ich kein Auto zur Verfügung habe, mit dem ich zu den kleinen Farmen kommen kann. So kam ich eines morgens in Port Macquarie an und habe gesehn, dass das Hostel, in dem übernachten sollte, eine Arbeiterkraft sucht. Den Job habe ich dann direkt am nächsten Tag bekommen. Das Prinizip hinter der Arbeit ist ganz einfach. Ich arbeite ungefähr 12 Stunden in der Woche und kann dafür umsonst im Hostel bleiben. Ich kann daher nicht wirklich Geld anhäufen, aber zumindestens spare ich mir knapp 25 Dollar am Tag für die Übernachtung. Die Arbeit ist echt ein Witz. Ich muss jeden Abend eine Stunde die Küche putzen und die Badezimmer checken. Am Wochenende muss ich darüberhinaus noch 3 Stunden in der Früh die Betten im ganzen Hostel beziehen, die Klos und Duschen putzen und die Küche wieder auf Vordermann bringen.
Die Stadt selber hat nicht so viel zu bieten, zumal das Wetter echt bescheiden ist. Der Himmel ist grau, es ist windig und es regnet zu oft. Aber ich darf mich nicht geklagen, da ihr sicher mit sehr viel kälteren Temperaturen auskommen müsst. Ich habe also die letzten zwei Wochen eher mit Lesen und Unterhaltungen verbracht als viel mit Sightseeing.
Die Unterhaltungen im Hostel sind aber leider sehr oft die selben, da Port Macquarie eine "Durchfahrtsstadt" zwischen Sydney und Bryon Bay ist. Die meisten bleiben gerade mal für eine Nacht, um dann am nächsten Morgen den Bus Richtung Norden oder Süden zu nehmen. Daher beschränken sich die Unterhaltungen meist auf den Austausch von Erfahrungen und Reiserouten.
Ich möchte euch nun noch kurz meine "Vorweihnachtszeit" schildern. Dauert nicht lange. Es gab sie ja eigentlich nicht wirklich.
Advent wird hier nicht gefeiert und auch sonst habe ich von Weihnachten nicht viel mitbekommen bisher. Der einzige Ort hier an dem man Weihnachten "erleben" kann, ist in den Kaufhäusern. Die Weihnacht beschränkt sich hier auf das Austauschen von Geschenken und auf das Überbieten an geschmacklosen Kitsch in den Häusern.
Ein paar Impressionen: Die Weihnachtsbäume bestehen aus Plastiknadeln (die High End Version hat sogar Plastikschnee auf den Plastiknadeln) und die alten Damen tragen Papierengel als Ohrringe. Der obligatorische Santa Claus ist in jedem größeren Konsumpalast zu entdecken. Mit ihm zusammen können sich Kinder für viel Geld fotografieren lassen. Im Aldi, ja den gibt es hier wirklich, kann man deutschen Spekulatius und Weihnachtsstollen kaufen. Die Häuser sind vielen bunten Lichter geschmückt. In Sydney stehen Chöre, die Weihnachtschorale singen, während sie sich den Schweiß von der Stirn wischen.
Es fällt mir insgesamt auf, dass sich Weihnachten primär auf den Weihachtstag beschränkt. All die schönen ruhigen Minuten, die man in der deutschen Vorweihnachtszeit auf den Weihnachtsmarkt erhaschen kann, sind hier Mangelware. Aber so werde ich mal wieder um eine Erfahrung reicher werden. Immer werde sicher ein große Party am Weihnachtstag haben. Ich freue mich schon drauf.
Achso! Der gemeine Australier spielt Cricket am Strand zu Weihnachten habe ich mir sagen lassen. Naja, mal schauen. Ich werde mein Weihnachten in einem wunderschönen Hostel mit Pool in Byron Bay verbringen. Ich bin mir nur noch nicht sicher, ob ich den 24. oder den 25. feiern werde. Vielleicht feier ich ja beides.
Ich wünsche euch allen nochmals eine schöne, ruhige und friedliche Weihnacht. Ich denke an euch!!

Euer Flo

Donnerstag, 6. Dezember 2007

Von Musik, Politik und ganz viel schöner Landschaft

Dieser Bericht wartet schon seit über eine Woche sehnsüchtigst niedergeschrieben zu werden. Da ich hier auf meiner Weiterreise Richtung Norden im kleinen Städtchen Newcastle nicht mit wirklich gutem Wetter gesegnet bin, nehme ich mir mal die Zeit von meiner Woche in den Blue Mountains und speziell in der kleinen Stadt Katoomba zu erzählen, welche sich etwa drei Stunden westlich von Sydney befindet. Angefangen hat es damit, dass ich von Sydney aus eine geführte Tour in die Blue Mountains gebucht habe. Die geführten Touren sind oft sehr gut, da sie von „locals“ organisiert werden, die immer die eine oder andere Anekdote parat haben.

So machte ich mich zur sehr frühen Morgenstunde auf. Unser erster Stopp ermöglichte es mir Bekanntschaft mit Kängurus zu machen. Sie waren eingezäunt, daher zählt das glaube ich noch nicht richtig als freie Kängurus. Aber die werde ich auch schon noch sehen. Das Wetter machte uns dann den Vormittag über einen Strich durch die Rechnung, sodass wir zwar auf die Aussichtsplattformen kamen, aber durch den Nebel, der sich vom Tal bis zu uns hoch ausgebreitet hatte, nur den Berglandschaft erahnen konnten. Der Nebel löste sich aber recht schnell gegen Mittag auf, sodass wir unsere Wanderung beginnen konnten. Es ging dann gut 2 Stunden durch den Regenwald. Es war dieses Mal, Gott sei Dank, nicht so rutschig, wie in Chiang Mai/Thailand. Der Regenwald war beeindruckend, dadurch, dass er mehr Farben vorzuweisen hatte als Chiang Mai. Auch konnte ich Papageien und Eidechsen beobachten. Zwischen den Baumwipfeln konnte man immer wieder das unbeschreibliche Panorama der „Blue Mountains“ erahnen. Ich hoffe, dass die Fotos einigermaßen die Wirklichkeit widerspiegeln. Apropos: Die Blue Mountains haben ihren Namen den Eukalyptusblättern zu verdanken, deren Öl diffundiert, aufsteigt und dann durch die Sonneneinstrahlung von der Ferne den Wald bläulich erscheinen lässt. Die ganze Gegend ist atemberaubend schön. Sie wurde aber die letzen Jahre durch viele schwere Waldbrände ganz schön in Mitleidenschaft gezogen. Ich glaube man kann es auf dem einen Bild sehr schön sehen, wenn man es mit den anderen Bildern vergleicht.

Nach ausgiebiger Naturbewunderung machte sich dann die Reisegruppe wieder auf ihren Heimweg nach Sydney. Ich hatte aber schon vorher mit dem Fahrer ausgemacht, dass er mich in Katoomba absetzen soll, wo ich erst nur zwei, am Schluss aber sechs weitere Tage, bleiben sollte. Die Jugendherberge, geschmückt mit einigen landesweiten Preisen, war sehr sauber und schön eingerichtet. Aber der ganze Luxus und die Größe konnten nicht davon ablenken, dass es leider kein soziales Leben gab. Ich war es aus Sydney, speziell von Bondi Beach, gewohnt, in die Küche zu kommen und während des Kochens immer jemanden zum Gedankenaustausch zu haben. Das war leider in Katoomba nicht der Fall. Das kleine Städtchen aber war mir irgendwie von Anfang an sehr sympathisch. Die Leute, die man auf der Straße traf, waren sehr oft von ihrer Lebensweise und ihrem Aussehen nach in den späten 70er Jahre stehen geblieben sind. Lange Haare, einen Bart und ne Kippe im Mund war das Kennzeichen der Einwohner dieses verschlafenen Städtchens. Und verschlafen meine ich ehrlich, da hier nicht sehr viel passiert. Die Menschen sitzen im Café oder schlendern durch die Geschäfte, die meist mit antiken Büchern oder Möbeln bestückt sind. Es gibt reichlich vegetarische Restaurants und eine gute Bar, in der abends der für diese Stadt berühmte Mix zwischen Jazz, Funk und Hip Hop live gespielt wird. Ich war echt sehr beeindruckt von diesem Club. Nicht nur, dass die Musik einem vom Hocker direkt auf die Tanzfläche geschmissen hat, sondern es waren alle Generation sowohl im Publikum wie auch bei der Jamsession auf der Bühne vertreten. Und alle vertrugen sich prächtig, aufgeheizt durch die Musik. Und richtig Betrunkene gibt es hier auch nicht, da per Gesetz von der Regierung vorschrieben ist, dass kein Alkohol an Betrunkene ausgegeben werden darf. Und zum Rauchen muss man sich auch mit einem Bereich außerhalb begnügen. Das wiederum erleichtert das Auslüften der Kleidung am nächsten Morgen erheblich. Speziell für Backpacker, die des häufigen Waschens ihrer Kleidung müde sind, ist die eine große Errungenschaft.

Am Tag danach machte ich in einem Café Bekanntschaft mit zwei Boheme, welche ihr auf den Fotos sehn könnt. Der eine (links) ist Skulpturenkünstler, der andere (folglich rechts) Jazz-Gitarrist. Ich hatte eine außerordentlich interessante Unterhaltung mit ihnen. Eigentlich das erste Mal, dass ich mich überhaupt mit jemanden in Australien über Politik unterhalten hatte. Die ganze Diskussion ausführlich noch mal darzulegen, würde den Rahmen dieses Berichts sprengen, aber ein paar interessante Einzelheiten möchte ich euch doch mitteilen. Zuerst müsst ihr wissen, dass der gemeine Australier nicht sehr viel mehr als Sport zu seinen Interessen zählt. Daher ist die Politik hier nicht so das große Thema. Ich habe ihnen dann erklärt, wie die heutige Situation in Deutschland ist, dass die rechte politische Seite, in Form der NPD, wieder Aufwind gewinnt, in dem sie junge, dumme, naive Kinder oder Jugendlichen mit ihren einfachen Antworten auf ihre schwierigen Lebensfragen, rekrutiert. Und dass es immer wieder zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Rechts, Links und Polizei käme. Das konnten sich diese beiden Künstler gar nicht vorstellen. Sie antworteten mir, dass die Australier einfach nicht so leidenschaftlich in Sachen Politik sind, sowie in keinem Bereich ihres Lebens sehr leidenschaftlich sind. Und das berichtete mir ein Künstler, der sicher dem linken Gedankengut zuzuordnen war. Zumindest lag ein Buch von Hermann Hesse vor ihm auf dem Tisch. So ist die Universität, z.B., links eingestellt und die Regierung war bis vor einer Woche eher konservativ, aber es gibt keinen Unmut, da beide Seiten keinen Sinn dahinter verstehen, groß zu demonstrieren um ihre Meinung kundzutun. Der Rassismus in Australiern gegenüber ihren Ureinwohner nimmt kontinuierlich ab, ist aber immer noch vorhanden, vor allen auf dem Lande.

Sport, Sport und nochmals Sport. So ist das Leben für einen in Australien lebenden Musiker auch nicht sehr angenehm, wenn man nicht gerade Kylie Minogue, Midnight Oil oder Silverchair heißt. Die meisten Musiker versuchen hier technisch so gut wie möglich zu werden, um dann den schnellsten Weg Übersee zu finden, da in Australien kein Geld mit Musik zu machen ist. Bildende Künstler kommen langsam auf, aber Australien hat keine wirklichen Künstler bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. Insgesamt erzählten mir die beiden, gibt es hier leider kein kulturelles Erbe auf das man Stolz sein kann, sodass kein wirkliches Identifikationsgefühl mit ihrem Land im kulturellen Sinne vorzufinden ist.

Um noch mal auf die politische Seite zurückzukehren. Es fanden letzte Woche die Regierungswahlen statt. Mitbekommen hat man nicht so viel davon. Aber herausgekommen ist, dass Kevin Rudd von der Labor-Party nun Ministerpräsident ist, und, dass heißt das das Kyoto-Protokoll von Australien unterschrieben wird. Ansonsten wird ein eher umweltfreundlicherer Kurs eingeschlagen.

Der Skulpturenkünstler machte mich dann noch auf einen buddhistischen Tempel in Katoomba aufmerksam, von dessen Erfahrungen aber einen gesonderten Bericht verdienen, der noch folgt.

P.S.: Ich freue mich immer riesig über Kommentare. Sie können auch kritisch sein. ;) Danke Mama!!!

P.P.S.: Ich schreibe die Artikel immer nur schnell runter, sodass ich sie weder noch mal durchlese noch ein Rechtschreibprogramm drüber laufen lasse. Und by the way, die Rechtschreibfehler, die ich mache, haben alle einen höheren Sinn. Glaubt mir!!.

Montag, 3. Dezember 2007

Katoomba and the Blue Mountains

Katoomba und die Blue Mountains
Olympia park und Elton John

Ein Tag im sportlichen Welterbe mit grandiosem Ende

Heute hatte ich solches Glück und das gleich zweimal. Angefangen hat es damit, dass ich es am Donnerstag nicht geschafft hatte, meinen Besuch im Olympischen Zentrum zu machen. Daher fuhr ich am nächsten Tag ohne Vorahnung von meinem späteren Glück recht spät am Tage Richtung Olympiastadium. Die Strecken sind ja in Australien immer ein bisschen länger, sodass ich nach knapp einer Stunde, aber immer noch in Sydney, im Zentrum des sportlichen Weltinteresses im Jahre 2000 ankam. Aber ich wurde zuerst enttäuscht, da ich dachte eine Ausstellung oder ähnliches vorzufinden. Die einzige Möglichkeit ein bisschen von dem Feeling der damaligen Zeit mitzuerleben offenbarte mir ein geführter Rundgang durch Stadium, welches hier auch einer großen Telekommunikationsgesellschaft gehört und daher mit deren Namen „geschmückt“ ist. Das Stadium ist, wie ihr auf den Bilder sehen könnt, mächtig groß und sehr modern. So wurde aber die vorherige Sitzplatzmenge von 110.000 auf knappe 85.000 heruntergeschraubt, um die AFL, die Australian Football League, im neuen Stadium willkommen zu heißen. Kurz am Rande: Australian Football, ist die australische Version des Rugbys. Selber war mir noch nicht die Ehre zu teil diesem Spektakel beizuwohnen, aber Erzählungen nach ist es um einiges härter als Rugby und es gibt quasi keine Regeln. Ein anderer Bekannter kommentierte den Sport wie „Basketball in den USA; irgendwie Ballett“.

Weiter im Text. Die Tour führte uns durch Journalistenräumen, die kargen Umkleidekabinen der Mannschaften, Aufwärmbereiche und natürlich die VIP-Räume. Hierbei muss erwähnt werden, dass dieses Stadium im Privatbesitz von fünf grossen Unternehmen ist. Darunter die größte australische Fluggesellschaft und die Firma mit der roten geschwungenen Schrift, die den amerikanischen Kapitalismus wohl am meisten symbolisiert. Die Erlaubnis für diese Bereiche kann im Jahr gute 120.000 Euro pro Person kosten. Dafür hat man aber gesicherte Plätze für alle Ereignisse sportlicher wie musikalischer Art.

Sonst war leider auf dem olympischen Gelände nicht sehr viel mehr zu sehen. So machte ich mich auf den Heimweg. Es war inzwischen schon fünf Uhr abends als ich eine große Menschentraube vor dem Eingang der Olympiahalle, in der alle großen Konzerte Sydneys stattfinden, bemerkte. Um nicht irgendwas Kostenloses zu verpassen, näherte ich mich der Halle und fragte die umstehenden Leute, was hier los sei. Ich hatte schon die Vermutung, dass es sich um ein Konzert handeln könnte. Da die Menschen aber durchwegs doppelt so alt waren wie ich, kam ein Konzert einer modernen Rockband nicht in Frage. Es stellte sich dann zu meiner vollkommenen Glückseligkeit heraus, dass es sich um das Solo-Konzert von Elton John handelt. Und wer mich kennt, der weiß ja wie ich dann ausgeflippt bin. Aber auf der anderen Seite, dachte ich mir, dass es eh keine Karten mehr geben wird, aber ein Versuch war es mir alle mal wert. Also suchte ich so schnell wie möglich den nächsten Kassenautomaten.

Es gab noch Karten! J Die billigste lag bei 100 Dollar!! L

Oh Mann, das war vielleicht eine Entscheidung. 100 Dollar sind viel Geld, wenn man ein Jahr unterwegs ist, aber auf der anderen Seite ist Elton ja schon 60 und wer weiß ob der nicht doch irgendwann mal ins Gras beißt. War das zu böse?? Naja, zumindest werde ich diese Chance vielleicht nie wieder kriegen. So haderte und zauderte ich eine Weile, den Blick immer Richtung Halle und dem großen Plakat mit Elton Johns Gesicht darauf. Der entscheidende Schritt gelang mir dann aber erst nachdem ich mich mit meiner Mutter kurzgeschlossen hatte. Danke noch mal Mama!!!

So machte ich mich auf, mein Herz schlug mir bis zu Hals. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich soviel Glück hatte genau am richtigen Ort zur richtigen Zeit gewesen zu sein. So betrat ich die Halle, als ein Mann auf mich zukam. Ich weiß immer noch nicht wirklich warum er gerade mich auswählte. Naja, ich sah direkt das kleine Schildchen mit der Aufschrift Elton John Staff an seiner Hose hängen. Die Frage seinerseits kam prompt: „Bist du Elton John Fan?“ Mein Antwort kam noch sehr viel schneller: „Ja sicher, bin ich Elton Fan. Da ist wie ein Traum, der für mich gerade in Erfüllung geht“. Ich erzählte ihm noch kurz, dass ich eigentlich ganz zufällig hier war und dass ich mich so freue hier sein zu dürfen. Meine Antwort war natürlich durch mein unglaubliches Glücksgefühl in dieser Situation hoch emotional. Aber damit traf ich den Jackpot. Der Herr, sagte er würde mir die Karte gegen eine andere eintauschen, und zwar, jetzt kommt es, in der ersten Reihe genau der Mittelplatz vor dem Flügel von Elton John.

Wenn Red Bull Flügel verleiht, weiß ich nicht wie viele ich hätte trinken müssen um dieses Gefühl zu haben. Nicht nur, dass ich rein zufällig am richtigen Tag im Olympiazentrum war, nein, ich werde das Konzert auch noch aus der ersten Reihe erleben. Da ich die Kartenpreise vorher gesehen hatte, wusste ich, dass diese Karte 400 Dollar wert war. Aber im Endeffekt hat sie einen unbeschreiblichen Wert, da Elton John, die besten Plätze für Leute reserviert die vorher ausgewählt werden. Daher kommt man an die Karten nicht ran. So nun machte ich mich auf die meine Kategorie „GOLD“.

Alle Besucher waren aufs äußerste herausgeputzt mit Anzug und Kleidern, zumindest in der teuersten Kategorie. Die Damen versuchten den lieben Elton wohl wieder auf die Frauenseite zu holen. Naja und mitten unter den Gästen mit ihren edlen Roben und den finanziellen Möglichkeiten 400 Dollar pro Karte auszugeben, saß dann ich. Ich, mit meiner kurzen Shorts, den dreckigen T-Shirt, meinem Wanderrucksack und der Kamera um den Hals. Ja, ich wusste ja nicht, dass ich auf ein Konzert gehen werde. Ich will ja nicht wissen, was die anderen Besucher von mir in der ersten Reihe dachten. Zu mir gesellten sich dann bis zum Anfang des Konzertes noch 4 glückliche Gäste. Ein Junge in meinem Alter mit seiner Mutter, und eine schwules Paar aus Kanada. Achso, der Junge mit seiner Mutter war auch schwul, stellte sich im nach hinein heraus. Ob das das Auswahlkriterium war???

Das Konzert selber war der Hammer. Angefangen hat der kleine Herr im schwarzen Frack, welcher mit Schmetterlingen verziehrt war und seiner Sonnenbrille, mit „Your Song“ für einen am Sonntag davor verstorbenen Freund und geendet hat es mit „Circle of life“. Dazwischen lag gut zwei ein halb Stunden pures Rock’n’Roll Klavier mit romantischen Pausen. Ich glaube zusammen genommen hat er mehr solo Klavier gespielt als dass er gesungen hat. Wer Elton John nicht live oder auf DVD gesehen hat, kennt ihn echt nicht. Das schöne war ich spürte gar nicht, dass tausende von Leuten hinter mir saßen, die Halle war voll. Es war wie ein Konzert nur für mich und die erste Reihe. Der Flügel war vielleicht fünf Meter von mir entfernt. So hatte ich beste Sicht auf Eltons fünf Minuten Intros..

Ich habe noch nie so ein Konzert von nur einer Peron auf der Bühne erlebt. Unglaublich, wie er alle mitgerissen hat. Und dass ohne hämmerndes Schlagzeug oder schnelle Gitarrensolos. Einfach unglaublich, der Sir Elton John, der Mister Rocketman!!!

Der Abend endete dann damit, dass ich mit den anderen drei Glücklichen noch was trinken gegangen bin, natürlich in die Schwulenbars, für die ja Sydney bekannt ist.

Montag, 26. November 2007

Sydney

Ein Gottesdienst der etwas anderen Art

Heute habe ich echt einen der verrücktesten Gottesdienste erlebt. Angefangen hat die ganze Geschichte so:

Ich habe drei Studentinnen in einer Gebrauchtbücherei kennengelernt und nachdem wir ein paar Themen durchgekaut hatten, ich weiß langsam schon sehr gut wie ich in kurzmöglichster Zeit das meiste von meiner bisherigen und zukünftigen Reise den Gesprächspartner vermitteln kann, kamen wir aus irgendeinen Grund zum Thema Religion. Sie gehörten der Pfingstkirche an und schlugen mir prompt vor mich am Sonntag mit zu ihren Gottesdienst zu nehmen. Das freute mich sehr, da sie extra für mich den einstündigen Weg in und dann wieder aus der Stadt auf sich nahmen. Ohne Auto ist man halt irgendwie sehr aufgeschmissen, wenn es darum geht spontan eine längere Strecke auf sich zunehmen. So fieberte ich mit freudiger Erwartung eine Erfahrung reicher zu sein dem Sonntag entgegen. So holten Sie mich in der Innenstadt ab und wir fuhren dann eine knappe Stunde in einen Vorort außerhalb von Sydney. Vorweggenommen, ich wusste den Namen der Kirche, welcher Hillsong lautet. Wir kamen in diesem Vorort an, als mir auffiel, dass schon in der Grünfläche des ersten Kreisverkehrs genau dieser gerade erwähnte Name der Kirche stand. Das gab mir schon eine Vorahnung von dem was danach geschehen sollte. Wir näherten uns dann immer näher ein paar neben einander stehenden Gebäuden. Das ist ja noch nicht ungewöhnliches. Die Größe und die Form dieser Gebäude waren es aber. Es stellte sich heraus, dass dies das ganze Gebiet der Hillsong-Kirche war. Das eine Gebäude hatte die Form einer Mischung aus Stadium und Mehrzweckhalle und hatte ein großes Kreuz auf dem Dach. Als nächstes stach mir ins Auge, dass das ganze Gebiet um die Hallen gefüllt mit Jugendlichen war. Die waren wohl kaum des Gottesdienstes wegen hier, dachte ich mir. Aber weit gefehlt. Ich fragte dann natürlich direkt ob die alle in die Halle kommen und wie viele es werden. Die Antwort kam prompt. Es kommen knapp 3000 Jugendliche zu den Gottesdiensten, jedes Wochenende. Und wie sie kamen. Die Mädels herausgeputzt, die Jungs lässig. Es fiel mir von Anfang die gewaltige Vielfalt an verschiedenen Typen auf. Ich kam mir nicht vor als stände ich vor einer Kirche. Ich sah von hochgestylten Models, über HipHoper, Metaler, Rocker bis hin zu den schrägsten Stylern, alles. Leute, die ich nie im Leben mit der Kirche in Verbindung gebracht hätte. Und davon tausende. Nachdem wir vom Einweiser auf unseren Parkplatz geführt wurden, wurden wir schon sehnsüchtigst von ein paar Freunden erwartet. Nach heftigen Umarmungen teilten sie uns mit, dass sie, Gott sei Dank, schon Plätze in der Kirche für uns reserviert hatten. So betraten wir also dieses Gotteshaus, welches ihr euch ungefähr vorstellen müsst wie die Mischung zwischen Heinrich-Lades-Halle und Kellerbühne. Die ins Erlanger Nachleben nicht eingeweihten stellen sich einfach eine Riesen Messehalle vor mit großer Bühne vorne und drei Bildschirmen von dem jeder sicher 15 mal 8 Meter groß. Die Halle füllte sich allmählich, als auf den überdimensionalen Bildschirmen plötzlich ein Countdown der Beginn des „service“ herunterzählte. Die ganze Halle fing dann das Klatschen an. Aber keiner setzte sich auf die gemütlichen Kinosessel. Das ganze Spektakel begann mit einem heftig verzerrten Gitarrenakkord begleitet von einem fetten Drumkit. Nun kamen die fünf Sänger auf die Bühne. All jene sahen aus wie Popstars und fingen an zu singen. Die ganze Halle war wie in Extasse und alle sangen laut mit, hoben ihre Hände und schlossen die Augen. Das war richtig Gänsehautstimmung. Immer wieder zwischendurch sagte der Leadsänger ein paar Verse und lobte Gott und betete. Die Leute vorne fingen das tanzen an. Aber sonst kennt man das ja nur aus irgendwelchen spirituellen Sekten. Aber diese Jugendlichen waren ganz normale Leute. Ich habe Surfer gesehen genauso wie Studenten und Musiker. Der musikalische Einstieg vollzog sich über etwa 20 Minuten, immer wieder unterbrochen durch heftigen Applaus und Gebete. Und dann kam der Pastor auf die Bühne, leger gekleidet im Billabong T-Shirt und Jeans, vielleicht knapp 30 Jahre alt. Und dann wurde gepredigt. Mit Leib und Seele. Immer die Bibel unter Arm, um die passenden Verse nachschlagen zu können. So lief er die Bühne auf und ab und verkündete die frohe Botschaft mit einer solch prägnanten Rhetorik. Ich war sehr beeindruckt. Auch inhaltlich war die erste Predigt sehr passend weihnachtliuch zum Thema Schenken und beschenkt werden. Ein weiterer großer Unterschied bei diesen Predigten liegt auf der anderen Seite des „Gesprächs“. Die Zuhörer nämlich verkünden immer lautstark mit „Ja“-Rufen ihre Zustimmung zu den gesagten Worten. Auch holen die Jugendlichen alle ihre Notizbücher heraus und notieren sich einzelne Gedanken. Andere stehen nur mit geschlossenen Augen da und saugen alle Wörter ins sich auf. Die Predigt war gespickt mit gehaltvollen Witzen, sodass die Stimmung in der Halle sehr locker war. Alle lachten, waren fröhlich und gebannt von der Predigt.

Die Rhetorikmethode und Predigt ändern damit, dass alle ihre Gebete lautstark heraussagen sollen. In Deutschland würde das wahrscheinlich erstmal ewig dauern, bis sich der erste traut. Das war hier anders. Alle Jugendlichen riefen ihre Gebete heraus, versunken in ihrer Gedanken, schwankten sie von einer Seite zur anderen. Man muss sich das mal vorstellen. Als diese Jugendlichen, 3000 an der Zahl, beten für ihre Probleme, und keiner schaut blöd. Alle machen mit. Die zweite Predigt kam dann in Liveübertragung auf den Bildschirmen von der Partnerkirche in der Mitte Sydneys. Achso, hätte ich fast vergessen. Bevor die zweite Predigt anfing, gab es erstmal Werbung für die nächsten Veranstaltungen auf der großen Leinwand.

Die zweite Predigt war nicht weniger beeindruckend und endete mit der Frage wer sich in der Halle krank fühlte. Eine hoben die Hände und wurden dann von allen anderen mit einer Hand berührt und dann wurde für diese Menschen gebetet.

Danach wurden dann noch diejenigen nach vorne gebracht, die sich verlobt hatten. Es wurde wieder einmal gemeinsam für sie gebetet .So wurde hieraus auch noch mal ein gefühlsmäßiger Höhepunkt dieses Abends. Geendet hat der Gottesdienst wieder mit einem beeindruckend komponierten Lied zwischen Pop und Rock.

Ich dachte ja zufuhr auch eher schlecht über diese Art von Gottesdiensten. Aber wenn man mal live mit dabei war ändert man sehr schnell seine Meinung. Diese ganze Kraft die dahintersteht ist hier sehr präsent, ich wage es sogar zu sagen, sie ist glaubwürdiger, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich habe mich nachher mit vielen der Leute unterhalten und es war beeindruckend welche Kraft diese Leute aus ihrem Glauben ziehen können. Jeder sagte mir er fühle Gott 100 Prozent in sich. Ich habe noch nie so viel Glauben bei Jugendlichen gesehen und was noch viel wichtiger ist gespürt als bei diesen beeindruckenden jungen Leuten. Ich weiß nicht ob ich den Geist Jesu Christi in diese Halle gespürt habe, aber es war zumindest ein unglaubliches Gefühl von Freude, Sympathie und Lebenslust die dich wie Honig umschmiert und dich von einer besseren Welt träumen lässt.

Ich hatte dann natürlich nachher noch sehr kritische Diskussionen mit den Jugendlichen. Da ist dieser Art von Glauben ja eher skeptisch gegenüber stehe, habe ich sehr viele Fragen gestellt. Das tolle war, dass diese Leute sehr gute Zuhörer sind und deine Meinung, welche du auch immer hast, vollkommen akzeptieren. Nachher sind wir dann noch alle zum Essen gegangen.

Ich hoffe ich konnte euch die Stimmung ein wenig näher bringen, wobei ich sehr sicher bin, dass man einfach so was mal miterleben muss, da dass komplette Gefühl nicht schriftlich vermittelt werden kann. Und ich bin mir auch sicher, dass dieser Artikel bei ein paar von euch rüber kam, dass ich jetzt völlig durchgeschnappt bin und einer Sekte verfallen bin. Aber macht euch keine Sorgen, ich schalte meinen Kopf nicht vollkommen aus und ich habe nur die Stimmung sehr genossen bei dieser Veranstaltung. Ich stehe dieser Glaubensausübung weiterhin kritisch gegenüber, aber vielleicht einen Tick weniger als vorher

Ich zumindest bin sehr glücklich und wünsche euch noch einen schönen Tag!

Dienstag, 6. November 2007

Einmal Rotlicht und zurück oder: Das Gespräch mit einer thailändischen Prostituierten

4:30: Ich habe gerade mein Hotelzimmer bezogen. Hinter mir liegt ein Abend, der von neuen Erfahrungen nur so überfüllt war. Da ich alle Facetten der thailändischen Bevölkerung kennenlernen will, zog es mich heute in die wohl für ein Gewerbe sehr bekannte Stadt Phuket. Besser gesagt schlug ich mein Quatier direkt im Party- und Sextourismusteil der Stadt Patong Beach auf. Thailand ist ja bekannt für eine Menge Paare, die aus einem Teil Falangh (Ausländer), meist männlich, über 50 und nicht gerade attraktiv und einer meist sehr hübschen kleinen jungen Thai bestehen. Ein Schelm wer bei dieser Konstellation was Falsches denkt. Natürlich sind beide vom Pfeil Amors mehrfach getroffen worden. Naja, zumindest läuft der Falangh ganz stolz mit seiner „Eroberung“ Hand in Hand durch die Straßen. Es fehlt nur noch das Preisschild am Hintern. Klingt zynisch, ist aber sehr traurig, wenn man versucht die Augen dieser Frauen zu interpretieren. Eines muss man ihnen lassen, sie wissen ihre Männer zu verwöhnen, aber auch hier zeigt sich wieder wie gut es Thais gelingt Konflikten zu entgehen indem sie selber zurückstecken. Das Schlimmste, was einem Thailänder passieren kann, ist das er sein Gesicht verliert. Das heißt, dass er vor einer Gruppe bloßgestellt wird. Daher versuchen die Thailänder auf Rücksicht auf die Gesichter ihrer Mitmenschen so zu handeln, dass es zu keinen Kontroversen oder Konflikten kommen kann. Aus dieser Haltung resultiert auch die ungewöhnliche Freundlichkeit der Thais.

Von dieser Art Paare wimmelt es in Patong Beach nur so.

So machte ich mich nun am späten Abend auf das berüchtigte Rotlichtmilieu Phuket live mitzuerleben. Weil es gibt nicht schlimmeres, als wenn Menschen über was herfahren, was sie selber noch nicht miterlebt haben bzw. noch nicht mit ihren eigenen Augen gesehen haben. Auch dieses Mal habe ich versucht mit so wenigen Vorurteilen an die ganze Expedition heranzugehen. Diese gewisse Straße erschlug mich erstmal durch ihre Anzahl an bunt blinkenden Schildern und Aufschriften. Paradoxerweise erinnerte es ich an den Times Square in New York. Bei beiden geht es ja um viel Geld, und am Ende verliert nur das Herz und der Verstand der Menschheit. Sei es am Times Square der Kunde der durch die Medienüberflutung in seiner freien Entscheidungsgabe wesentlich eingeschränkt wird. In Phuket wird vermehrt das Herz der armen jungen Mädels mit Füßen getreten.

Im Detail will ich mich bei der Beschreibung des wilden Treibens an diesem Ort nicht verlieren, da ich immer noch will das diese Seite alle lesen können, egal welchen Alters. Die Straßen sind gefüllt mit jungen Thailänderinnen, die mehr als spärlich ihre Körper bedecken. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass 30 Prozent dieser Frauen im früheren Leben Männer waren. Aber über dieses Thema Thailands werde ich noch einen gesonderten Artikel schreiben. So läuft man nun wie im Spießrutenlauf durch die hunderten „Gelegenheiten“ und versucht den Händen und verführerischen Blicken auszuweichen immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass diese Frauen sicher nicht dich als Person sondern vielmehr den Inhalt deines Geldbeutels im Visier haben. Köstlich amüsieren kann man sich über die Freier, die sich unglaublich männlich vorkommen, wenn sie gleich zwei Frauen um sich geschert haben. Wenn man dann eine der vielen Bars betritt wird das Spiel noch lustiger. Hier hat der Tresen mit einer Längen von vielleicht 10 Meter nach jedem Meter eine Go-Go Stange an dem noch spärlich bekleidetere Mädchen in verführerische und eindeutigen Posen versuchen ihren Lebensunterhalt zu verbessern. Man kommt sich vor wie in einem Tollhaus. Aber wie schon erwähnt will ich nicht näher auf Details eingehen. Mein Ziel war es wie immer mehr über die Thailänder zu erfahren und so erwiderte ich die Blicke eines Mädels. Ich habe jetzt schon des öfteren die Erfahrung gemacht, dass es unglaublich schwer ist an das Innere eines Thais durch Gespräche heranzukommen. Man kann sich die Persönlichkeit eines Thais als eine Zwiebel vorstellen. Die erste Haut ist gut sichtbar für die Touristen. Die Haut der Freundlichkeit, der Hilfsbereitschaft und des Lächelns, für das Thailand ja bekannt ist. Ganz in der Mitte der Zwiebel befindet sich die Familie und die wahren Gedanken und Gefühle der Thais. Um in diese Zone vorzudringen muss man behutsam eine nach der anderen Haut entfernen. Dabei braucht man sehr viel Fingerspitzengefühl, um nicht zu schnell versehentlich eine Haut zu zerreißen.

So begann ich nur, frei nach Günther Grass, mit dem „Häuten der Zwiebel“.

Ich machte diesem Mädchen von vornherein klar, dass mit mir heute Abend kein Geld zu machen ist, sondern, dass ich nur mehr erfahren möchte über ihre Arbeit und unter welchen Umständen sie hier nach Patong kam. Nach einer überraschten Reaktion ihrerseits kamen wir ins Gespräch, welches sich durch die dröhnende Musik und die geringe Kenntnis der englischen Sprache des Mädchens etwas schwierig gestaltete. Sie war 21, sah aber aus wie 16. Dieser Eindruck wurde durch ihr Outfit, welches dessen eines kleinen unanständigen, naiven Mädchen ähnelte, noch verstärkt. Sie kommt aus dem Norden Thailands aus einer armen Familie und sah in diesem Job ihren einzigen Ausweg aus der kompletten Armut, erzählte sie mir. Dabei muss man wissen, dass gerade der Norden Thailands sehr mit der Armut zu kämpfen hat. Auf die Fragen nach ihren Eltern, antwortete sie mir, dass sie natürlich nicht begeistert sind, aber auch auf das Geld angewiesen sind. Das heißt konkret auf das Geld, welches sie verdient, wenn sie am Abend mit alten Männern mitgeht die das Alter ihres Großvaters haben könnten. Als sie dies im gebrochenen Englisch erzählte trieb es mir Tränen in die Augen, nicht so sehr weil sie es im traurigen Ton erzählten, sondern vielmehr da mir mal wieder bewusst wurde unter welchen Privilegien ich mein Leben so leben kann, wie ich es mir vorstellte. Vielleicht ist es nicht unbedingt ein Privileg in der versnobten Stadt Erlangen, aber im großen Rest der Welt ist es eines. Hier ist das Schulsystem leider auch so aufgebaut, dass die die Geld haben ihre Kinder auf die guten Privatschulen schicken können. Die Kinder der Familien ohne Geld haben dann gar keine Chance mehr. Da haben wir Deutschland schon einen großen Vorteil mit unserem Schulsystem.

Ich habe gelesen, dass die Arbeit als Prostituierte hier in Thailand durch den Buddhismus nicht so schlimm für die Mädchen sei, da, der Religion nach, alle Handlungen auf der Erde vergänglich sind, und nicht wie im Katholizismus ihre Arbeit als Sünde angesehen wird. Diese religiöse Tatsache macht es den Mädchen anscheinend leichter diesen Job auszuüben. Naja, wer mag, kann es glauben. Ich bin davon nicht ganz überzeugt. Auf dies Fragen, was Buddha zu diesem Gewerbe sagen würde, antwortete sie nicht. Ob es daran lag, dass sie mich nicht verstanden hat oder ob sie einfach nicht antworten wollte oder konnte, weiß ich nicht.

Da das Gespräch sich durch die Lautstärke immer schwieriger durchzuführen ließ, machte ich den Vorschlag nach draußen zu gehen. Dieser Vorschlag wurde aber abgelehnt, da sie sich nur von der Bar entfernen durfte wenn ich sie bezahle. Viel war leider nicht aus dem Gespräch herauszuholen, am Ende habe ich habe ich aber noch die E-mail Adresse bekommen, so dass ich versuchen werde durch E-Mails noch mehr zu erfahren.

Oh Mann, nach dieser Begegnung war ich mal wieder sehr aufgewühlt. Denken diese ganzen Touristen hier eigentlich nie nach? Schalten sie ihr Gehirn und ihr Herz aus, sobald ihr sicheres, reiches Land verlassen? Verlassen sie meist nicht nur ihr Land, sondern auch ihre Familie, um mit Mädchen zu schlafen, die ihre Töchter sein könnten? Was sind das für Menschen?

Achso, für diejenigen, die es interessiert: Die Nacht kostet ungefähr 1500 Baht, was ungefähr 35 Euro sind. 35 Euro für das Gefühl der Reinkarnation als junger attraktiver Mann, der alle Frauen haben kann. Diese Investition ist es vielen anscheinend wert. Die Bars waren alle gerammelt voll!!!

Mittwoch, 24. Oktober 2007

Ko Phi Phi – ein touristisches Paradies und den Tsunami im Hinterkopf

Ich habe nun meine Reise Richtung Süden fortgesetzt. Nach 16 Stunden Überfahrt mit Bussen und Fähren kam ich dann glücklich auf der Insel Ko Phi Phi an. Wie so oft, hatte ich keinen Plan von meinem Zielort. Aber immerhin hatte ich für die erste Nacht schon mal eine Unterkunft. Wie ihr ja schon auf den Bildern bestaunen konntet, ist Ko Phi Phi auf den ersten Blick ein kleines Paradies. Und es war verdammt warm.

Nachdem ich in meiner Unterkunft meine vielen Taschen untergebracht hatte, hab ich mich auf Entdeckungstour begeben. Die erste heiße Fährte führte mich auf den Aussichtspunkt auf einen der beiden Berge der Insel. Wie ihr auf den Bildern sehen könnt, gibt es auf Ko Phi Phi zwei große Berge die in der Mitte durch eine Landzunge miteinander verbunden sind. Auf dieser findet das ganze Leben der Insel statt, da es sonst kein größeres Dorf, geschweige denn eine Stadt gibt. Ein erster großer Unterschied zwischen Bangkok und Ko Phi Phi fiel mir schon auf, bevor ich die Insel je gesehen habe. Das Schiff war gefüllt mit Pauschaltouristen, alle unterwegs zu ihren Resorts oder mit dem Wunsch mit möglichst wenig Geld am meisten Party zu machen. Dazu natürlich braun werden. Aber für diesen Zweck ist diese Insel bestens geeignet, da man außer dem Tsunami Memorial Park, auf den ich nachher noch weiter eingehe werde, nicht viel machen kann. Die Insel hat sich primär auf ihren Strand und Aktivitäten wie Kanu fahren, Klettern und Tauchen spezialisiert. Wirklich einheimische gibt es hier wenige bis gar keine. Es gibt ein Dorf, mit 100 Einwohnern auf einem der beiden Berge.

Naja, jetzt hab ich schon wieder den Faden verloren.

Also, zumindest bin ich dann oben am Viewing Point angekommen und war überwältig von dem Anblick und der Schönheit dieses Blickes, welchen ich erstmal eine Zeit lang genossen habe. Es war das erste Mal richtig ruhig nach den ganzen Tagen in Bangkok, Chiang Mai und Katchanaburi. Dann habe ich ein Heft gesehn, in dem Bilder des Tsunamis waren. Eigentlich, muss ich ganz ehrlich sagen, viel mir die ganze Tragödie des Tsunamis erst auf der Fähre nach Ko Phi Phi wieder ein. Aber welche Ausmaße dieser auch auf dieser Insel hatte wurde mir dann durch dieses Heft richtig bewusst. Wenn ihr euch das Bild mal anschaut, könnt ihr euch das besser vorstellen. Die Wellen kam also von links auf die Landzunge zu und hat diese einfach vollkommen überrollt. Einfach von links nach rechts 6 Meter hoch drüber und hat es blieb fast nichts stehen. Erschreckendes Ergebnis: über 2500 Tote. So, da schluckst du erstmal und schaust dir die Insel noch und nochmals an. Dann ginge mir tausende Gedanken durch den Kopf und ich habe mir diese Situation versucht auszumalen, aber ich glaube, dass kann man gar nicht. Ab diesem Moment lag immer ein Stein auf meiner Seele, wenn ich durch die Gassen Ko Phi Phis geschlendert bin. Die übrigen Bilder waren nicht minder erschreckend. Berge von Leichen, verstümmelte Kinder, rennende Touristen und nur Schutt. Ich habe mich nachher mit einer Deutschen unterhalten, die seit 9 Jahren dort wohnt und alles „live“ miterlebt hat und das war dann noch erschreckender. Der konkrete Ablauf der Tragödie war nämlich dieser:

Am Abend vorher war der 25. Dezember, für viele Kulturen das eigentlich Weihnachten. Daher gab es eine große Feier in allen Pubs und Clubs. Daher sind die Leute am nächsten Morgen nicht so früh aufgestanden wie vielleicht sonst. Weiterhin müsst ihr wissen, dass man ungefähr 7 Minuten braucht um von der einen Strandseite des Insel auf die andere zu kommen. An den Stränden befinden sich dann die ganzen beliebten Bungalows. Klar, wer möchte nicht morgens aufstehen und direkt aufs Meer schauen können. Diese Bungalows wurden aber allen zum Verhängnis. Um knapp 10 morgens kam dann die erste Welle und hat alle noch schlafenden Bungalowbesitzer mitgerissen, diese hatten keine Chance. Aber was macht ein Tourist, wenn irgendwas passiert und er nicht selber betroffen. Er läuft natürlich zur Unglücksstelle und schießt Fotos. Als dann also die erste Welle abgeklungen war und alles Chaos versunken war, liefen hunderte schaulustige Touristen zum Strand um „schöne“ Urlaubsfotos zu machen. Was sie nicht ahnten, war das kurz danach eine zweite noch größere Welle auf den Strand zurollte. Kurz zwischendurch. Ihr dürft euch das nicht vorstellen, dass das riesen Wellen sind, die man schon von weiten sieht. Ne, diese Wellen bauen sich erst kurz vor dem Strand auf. Die ganzen Tauschschulen mit ihren Lehrern, die sich im Wasser befanden, hatten das meiste Glück. Sie haben den Tsunami nur als kurzweilige, stärkere Strömung wahrgenommen. Naja, zumindest sind die Touristen dann von der zweiten, größeren Welle alle mitgerissen worden. Das zweite Problem war, dass durch die erste Welle eine ganze Menge an Fisch an der Strand gespült wurde, den die Thais natürlich alle versuchten zu sammeln. Also war der Strand als die zweite tödliche Welle kam nicht nur voll mit Touristen, sondern auch mit Thais. Wie schon erwähnt. Ergebnis: 2500 Tote. Und jetzt lauf ich durch die Straße, über die wahrscheinlich schon Touristen wie du und ich tot gespült wurden. Irgendwie ein ungutes Gefühl. Apropos, das ganze Geld, was wir in Deutschland gespendet haben, kam natürlich nicht an. Keinen einzigen Pfennig haben die Thailänder auf dieser Insel gesehen. Aber das war ja irgendwie schon klar.

Jetzt knapp 4 Jahren danach, gebt das Leben wieder weiter. Man sieht überall Baustellen, obwohl das Bauen auf dem zerstörten Land bis heute verboten ist, aber von irgendwas müssen die Leute ja hier auch leben. Wie schon gesagt, Ko Phi Phi ist nur turistisch am Leben zu halten. Ein kleines Fleckchen Erde ist aber dem Tsunami Memorial Park gewidmet. Ein Ort an dem, glaub ich, den Tränen am nächsten ist. Hier sind Fotos der Opfer ausgestellt, mit Briefen die Freunde oder Verwandte hinterlassen haben, die Jahre später noch mal hier herkamen. Und gerade durch die Bilder wird einem echt deutlich, dass dies alles Leute wie du und ich waren, die sich dafür entschieden hatte Weihnachten mal woanders zu verbringen. Aber diese Insel zeigt sehr eindrucksvoll, dass das Leben hier weitergehen muss und auch weitergeht.

Die Hauptattraktion auf Ko Phi Phi sind wahrscheinlich die Sunset Trips zu den jeweiligen Punkten um den Insel, die man sonst nicht erreicht, da diese Insel noch nie ein Auto oder Moped gesehen hat. Diese Tour habe ich auch gemacht und sie war sehr schön. Man ist mit dem Schiff um die Insel getuckert und kam am Schluss, nach ein paar Stopps am Maya Beacht an. Dieser Strand wahr Schauplatz für die Verfilmung des Romas „The Beach“, Hauptdarsteller Leonardo di Caprio. Der Strand ist echt wunderschön, wie ihr ja wieder auf den Bildern sehen könnt.

Noch ein Unterschied zu Bangkok: Kein einziger buddistischer Tempel, sondern nur eine Moschee, da alle Einwohner hier muslimisch sind.

Nach drei Tagen ausgiebigen Touristenschwärmen war es mir dann genug und ich habe mich entschieden auf die andere Seite Thailands zu fahren. In Richtung Ko Tao.

Der Bericht von dort kommt bald.

Samstag, 13. Oktober 2007

Oh mein Buddha!

Puh geschafft!! Ich habe jetzt 3 Tage Trekking durch den Thailaendischen Dschungel hinter mir. Zu Fuss, auf Elefanten und Bambusbooten. Es war einmalig. Gewusst habe ich vorher nicht viel darueber. Angefangen hat alles mit einer 12 stuendigen Busfahrt in die Stadt Chiang Mai, im Norden von Thailand. Gott sei Dank haben mir schon andere Backpacker den weisen Tipp gegeben, dass ich meine Wertsachen alle mit nach oben in den Bus nehmen soll, da die Busfahrer dafuer bekannt sind eine zweite Tuer zum Laderaum zu haben und wenn dann alle schlafen, krabbelt mal schnell einer rein und schaut sich in den Taschen um. Dafuer kostet die Fahrt auch nur 4 Euro. Risiko kann teuer werden. Als wir angekommen waren, wurden wir alle auf der Ladeflaeche eines Transportes in Richtung Dschungel gebracht. Dort warteten dann Elefanten auf uns, um uns den ersten Weg durch das Gruen zu transportieren. Auf Elefanten zu reiten ist um einiges angenehmer als auf Kamelen. Sie schaukeln nicht so von einer Seite zur anderen. Waehrend dieses ersten Rittes konnten wir uns schonmal diese wunderbare Landschaft anschauen. Es ist alles gruen im Norden von Thailand, gerade jetzt da es sehr oft und viel regnet. Was mir vor der Abfahrt nicht bewusst war, war das ich 3 Tage komplett ausserhalb der Zivilisation sein werde.
So begann also die erste Wanderung ueber 3 Stunden. Die Gruppe war sehr durchgemischt. Von Englaender ueber Australien, einen Taiwanesen und 2 Spaniern. Die Wanderung fuehrte uns richtig durch den Dschungel, vor uns her lief der Guide mit der Manschete um uns den Weg frei zu machen, vorbei an Bananenstauden und Wasserfaellen, ueber Fluesse ( die Schuhe blieben natuerlich an) und viel viel Matsch. Das Problem, das wir die ganzen 3 Tage hatten war der Boden. Der bestand meist aus einer Art Lehm und dieser war durch die anhaltenden Regefaelle unglaublich ruschtig. So legte es uns reihenweise richtig auf die Nase. Aber das machte die ganze Exkursion noch spannender. Ein bisschen Abkuehlung fanden wir dann an einem Wasserfall. Das sollte aber auch das letzte Mal in den naechsten 3 Tagen sein, dass ich mit einigermassen sauberen Wasser in Beruehrung kam. Nach ein paar Fotos ging es dann weiter. Unseren Sachen waren jetzt schon alle komplett durchnaesst und dreckig. Nach nocheinmal 3 Stunden Wanderung kamen wir dann abends in einem kleinen Bergdorf an, in dem wir unsere Nacht verbrachten. Das war echt der Hammer. Wir haben in einer kleinen Huette uebernachten, alle 14 Leute zusammen. Diese Huette stand auf stelzen und unter den Stelzen waren Schweine angebunden. Um die Huette herum liefen die Huehner frei rum. Und keine dieser beiden Tierarten hatte wirklich lust nachts zu schlafen. Hinzu kam noch ein heftiger Regen auf das mit Blaettern gebaute Dach. Es war eine unruhige aber sehr spannende Nacht. Zuvor kochten uns die Guides noch lecker Pa Thai ( sowas wie gebratene Nudeln mit Gemuese und Huhn). Den Abend verbrachten wir dann noch mit Streichholzspielen und Trinken von thailaendischem Bier. Einer der Guides liess uns auch vom Reiswhiskey probieren, der aber sehr abscheulich schmeckt. Dieser wird in den doerfern illegalerweise angebaut.
Am naechsten Morgen gab es dann Pfannkuchen mit Bananen gefuellt und dann ging es, wie so oft hier in Thailand mit 2 Stunden Verspaetung los. Den zweiten Tag verbrachten wir durchwegs mit Erkundung des Dschungels. Diese Sachen wurden dreckiger und wir immer fertiger. Also so eine Wanderung hatte ich noch nicht in meinem Lebenslauf. Es war echt heftig. Mittagessen konnten wir auch mitnehmen, und zwar wieder Nudeln, aber eingepackt in Bananenblaettern und mit einem Strick zusammengeschnuert. Da wir kein Besteck mitdabei hatten wurden uns schnell Bambus aus dem Wald zu Staebchen umfunktioniert.
Die zweite Nacht verbrachten wir in einer Holzhuette neben einem Wasserfall, sodass wir wieder eine gewisse Geraeuschkulisse hatten. Die Klos waren wie immer Plumpsklos mit einem Wassereimer zum spuelen. Abendessen gab es wie am Vorabend im sitzen oder liegen auf der Veranda der Holzhuette. Auch wird die Stimmung durch das Ausziehen der Schuhe und das Hinsetzen unglaublich persoenlich.
Am dritten Tag machten wir dann noch eine Bambusboottour durch den Dschungel.
Insgesamt waren diese 3 Tage echt beeindruckend. Am meisten hat mich beeindruckt wie die Dorfbewohner ihr leben da oben meistern. Ganz ohne strom, geschweige denn Internet oder handys. Und alle lachen sie durchwegs und sind gut drauf. Da wir als deutsche mit Freundlichkeit ja nicht wirklich prahlen koennen, heisst es ja immer, dass in den anderen Laender die Leute so freundlich. Aber so wie hier in Thailand ist mir das noch nie aufgefallen. Hier bist du nie allein.
Also bis zum naechsten Mal. Ich mach mich morgen frueh auf in die Region um Kanchanaburi. Dann gibt es wieder mehr zu erzaehlen.

Montag, 8. Oktober 2007

Von Buddhas, Israelis und dem Koenig

Jetzt habt ihr ja sogar 2 Tage schon nichts mehr von mir gehoert.
Ich bin jetzt in die Innenstadt gezogen, und hier ist Wlan fuer meinen Laptop nicht drin. Mein Zimmer ist auch um einiges kleiner, dafuer zahl ich nur 4 Euro (ohne Fenster). Ich bin jetzt in der Kaosan Road. Das ist die Bagpackerstrasse Bangkoks. Leider wusste ich das die Tage davor nicht. Der grosse Nachteil ist, dass es hier sehr sehr turitisch zugeht, auf der anderen Seite ist fuer alles gesorgt was das Bagpackerherz braucht. Supermaerkte, pubs, Rucksacklaeden und vieles mehr. Der Vorteil ist man lernt hier unglaublich schnell neue Leute kennen. So kam ich gestern, kaum war ich angekommen, mit drei Isralis ins Gespraech, weil ich wissen wollte ob sie mir einen Tipp zum uebernachten geben koennten. Zu diesen Zeitpunkt war ich schon gut einanderhalb Stunden mit 3 grossen Taschen unterwegs gewesen. Die Israelis baten mir daraufhin spontan an mit zu ihrer Herberge zu kommen. Dort blieb ich dann auch. Es ist sehr interessant dort, da diese Herberge nur von Israelis bewohnt wird. Auch die Laeden nebenan sind alle auf hebraeisch voll plakatiert. Beim Abendessen kamen wir dann so ins Gespraech. Die 3 hatten alle grade ihren 3(!!!)-jaehrigen Militaerdienst abgeleistet. In Israel muss jeder, also wirklich jeder Mann nach der Schule 3 Jahre lang zum Militaer. Die Frauen uebrigens muessen auch 2 Jahre. Und das Militaer ist dort nicht wie in Deutschland ein grosses Zeltlager. Nein, die 3 mussten an die Front fuer lange Zeit, da Israel sehr viele Feinde hat, wie sie immer sagten. So kaempfte der eine gegen Palaestina, als der anderen an der Front zum Libanon versuchte die Hisbollah zurueckzuhalten.
Irgendwann unterbrach uns dann ein Rabbhi, der die 3 fragte ob sie die Tefelin machen wollten. Dabei schnueren sie sich Lederbaender um den Arm und den Kopf und haben dann auf der Stirn ein Juedisches Symbol. Daraufhin beten sie still ein Gebet, welches auf einem Kaertchen steht. Das alles mittem im Restaurant. Naja, wie gesagt, wir Katholiken nehmen unseren Glauben nicht wirklich so ernst. Das merke ich hier immer wieder.
Am Abend war ich dann mit einer Grupe von Englaender, Kanadiern und Thailaender was trinken. Da ich dieses Mal auch Kontakt hatte zu Thailaender konnte ich sie ein bisschen ausfragen. Einer meiner Lieblingsthemen: der Koenig. Schonmal vorweggenommen. Heute hatten alle Thailaender das gelbe T-Shirt an, auf dem lang lebe der Koenig steht und wenn sie keins hatten, zogen sie ein anderes gelbes T-Shirt an. Und warum? Ist doch ganz klar, weil heute montag ist. Und was fuer ein Montag? Ein ganz normaler. Diese T-shirts ziehen die Thailaender jeden Montag zur Huldigung des Koenigs an. Der Koenig hat hier im Lande wirklich keine Gegner, also es gibt keine Opposition. Alle lieben ihn, da er in den vergangenen Jahren sehr sehr viel fuer die arme Bevoelkerung getan hat und eigentlich ganz normal wie alle anderen ist. Das mit den Fahnen verstand ich nach der Antwort auf meine Frage immer noch nicht.
Gestern war ich zudem noch auf dem grossen Wochenendmarkt, dem Chatuchak-Markt. Dies ist ein Markt auf dem alles verkauft wird von gefaelschter Kleidung, ueber Essen bishin zu Hundewelpen und Babyhasen. Also der Tierschutzbund sollte dort besser nicht auftauchen.
Der Wat Pho Tempel war heute mein Ausflugsziel. Hier ist ein liegender Buddha mit einer Laenge von 42 Meter aufbewahrt. War echt sehr sehr geil....Auf dem Gelaende befanden sich noch mehrere sehr schoene Tempel. Ich bin immer faszieniert von der Stimmung in den buddhistischen Tempel. Die Stimmung ist so andaechtig, ruhig und friedlich. Das ganze wird noch verstaerkt dadurch, dass man vorher seine Schuhe auszieht und dann alle auf einem grossen Teppich sitzen. Christen, Muslime, Hindus und Buddisten alle gleichzeitig. Vielleicht liegt es ja daran, dass die Buddhastatuen immer grinsen. Dies strahlt diese blumig heitere und lebensfrohe Kraft dieser Religion aus. Am Ende ist es aber gleich welcher Religion man angehoert. Alle finden hier zusammen den wohlverdienten Frieden und ein paar ruhige Minuten in der ganzen Hektik dieser monstroesen Stadt.
Morgen abend kehr ich dann Bangkok den Ruecken zu und fahre mit einer Gruppe in den Norden, in die Region um Chiang Mai. Dort erwarten mich dann 3 Tage volles Programm. Von Elefantentour, ueber Bambuskanurafting, Dschungeltouren und und und...Am Ende der Tour werde ich mich dann von der Gruppe trennen und noch auf eigene Faust den Norden erkunden....mal schaun wie.
So jetzt lass ich euch mal wieder in Ruhe....Die naechsten Tage werdet ihr wahrscheinlich nicht so viel von mir hoeren.

P.S.: Bilder gibt es sobald ich ein Internetcafe gefunden habe bei dem ich die Bilder auf hochladen kann.

Samstag, 6. Oktober 2007

sà wàt dii!


sà wàt dii,

So jetzt habe ich den ersten Tag hier in Bangkok hinter mich gebracht. Erster Eindruck: Das ist die verrückteste und anstrengste Stadt in der ich bisher bin. Auf der eine Seite ist die Stadt hochmodern, auf der anderen doch so arm. Angefangen bei dem Skytrain, der die Menschen über die völlig überfüllten Staßen führen soll, bis zum Grand Palace, in dem der König verweilt, zeigt sich wo das Geld der Thailändischen Regierung bleibt. Der König wird wie schon erwähnt überall abgebildet, sei es auf den Geldscheinen oder an allen Straßenecken auf Plakaten. Die Fahne der Königsfamilien hängt neben jeder Thailändischen. Man denke mal darüber nach wie affig es wäre in Deutschland überall ein Bild von Prinz Ferdinand oder irgendsoeinem Fürst von Bayern hängen zu haben. Aber mit Oberhäupten im Allgemeinen wird hier in Bangkok gläubiger umgegangen. So befindet sich in der Ubahn bevor man wieder das Tageslicht erblickt ein Schrein, an dem man öfters mal einen Thailänder kurz eine Minute inne halten sieht. Diese Schreine, die dazu dienen Geister zu besänftigen, stehen hier an sehr unterschiedlichen Stellen. An Straßenecken, in KFZ-Meistereien, in Restaurant. So ist der Buddismus hier viel mehr in den Köpfen der Leute verwurzelt als es in Deutschland der Fall ist. Der Glaube ist hier glaubwürdiger. In den Tempel knien die Leute vor ihren Buddhastatuen in der Mittagspause und betten wahrhaftig. In Deutschland ist es, meiner Meinung nach meist nur noch ein guter Brauch Sonntags die Kirche zu betreten. Im sonstige Leben muss die Religion aber dann der Realität weichen. Hier steht viel mehr dahinter Buddist zu sein. Mich hat überrascht, dass man hier sehr oft Mönche auf der Straße sieht, unschwer zu erkennen an der orangenen Robe. Diese werden dann sehr ehrfürchtig behandelt. So steht in der Metro überall an denen Wänden, man soll hilfsbedürftige zuerst sich ein Platz suchen lassen. Zu Hilfsbedürftigen zählen Kinder, Alte, Schwangere und die Mönche. Eine heiter Sache noch zum Buddhismus. Beten muss man hier nicht unbedingt selber. Man muss einfach das genügende Kleingeld in einen Apparat vor der Buddhastatue werfen, sodass diese laut anfängt ein Gebet zu sprechen.

Unten sind die Betmaschinen

Gesehen habe ich heute primär viel Chaos. Autoverkehr, schreiende Leute, viel Dreck. Aber das macht das ganze interessant. Aber als Bürger aus einem Dorf wie Spardorf, ist man am Anfang sehr überfordert. Ich war ja schon viel unterwegs in der Welt. Aber an einem Ort, an dem die Schrift eine völlige andere ist und an dem einen nicht jeder direkt versteht, war ich noch nicht. So bestellt man sein Essen, indem man sagt, man möchste das, was der Nebenmann auch hat, weil die Speisekarte, falls es überhaupt eine gibt, kann man eh nicht lesen. Man muss allen ein bisschen mehr vertrauen als in Deutschland.

Das ist ein Túk Túk
Meine erste Túk Túk-Fahrt habe ich auch überlebt. Túk Túks sind kleine Gefährte, mit 3 Rädern auf denen man hinter dem Fahrer sitzt. Diese schlängeln sich dann förmlich durch den Verkehr. Ist sehr aufregend, aber man kriegt viel mit von Bangkok. Man muss hier sehr viel Zeit einplanen um von A nach B zu kommen, da es hier keinen normalen Verkehrsfluss gibt.



Ich war heute dann noch im Grand Palace und im Wat Phra Kaew. Ich denke mal, dass das dies Hauptatraktion von Bangkok ist. Hier befindet sich die große Tempelanlage und die Regierungsgebäude der Stadt. So viel Gold an einer Stelle, hab ich noch nie gesehn. Es ist alles sehr sehr prunkvoll, aber auch sehr turistisch. Im Tempel Wat Phra Kaew befindet sich der Smaragdbuddha, der einer der Pilgerstädte eines jeden Buddhisten ist. Wie eigentlich in allen Räumen Thailands muss man erst seine Schuhe ausziehen und muss sich dann direkt hinknien, darauf wird penibel durch das Militär geachtet. So kann man sich das ganze Gebäude dann aus der knienden Position heraus betrachten. Sonst war heute nicht sehr viel mehr zu beobachten. Ich wünsch euch allen einen schönen Sonntag!

laa kàwn

Freitag, 5. Oktober 2007

Ankunft in Bangkog

Ankunft!

Hey,

Ich bin jetzt gerade in meiner ersten Jugendherberge in Bangkok eingetroffen. Bisher gibt es noch nicht viel zu erzählen. Den Flug habe ich komplett verschlafen. Auf dem Flieger waren aber widererwartende ältere Europäer mit Goldkettchen, die sich wahrscheinlich auf den Weg gemacht haben ein bisschen Liebe in Thailand zu ergattern.

Eins muss ich noch rauskriegen. Nämlich was das Hakenkreuz in Thailand für eine Bedeutung hat, da, kaum war ich in der Ankunftshalle am Flughafen angekommen, sag ich direkt eine Thai mit einem vergoldeten Hakenkreuz um den Hals. Es war exakt das selbe, welches uns wohl bekannt ist. Außerdem fiel die Liebe des Thailandischen Volkes zu ihrem König auf. Auf jedem der Finger am Flughafen, welche zu den Flugzeugen führten, war ein Bild des Königs angebracht mit dem Slogan: Long live the king.

Einkaufen war ich grad auch schon. Für 3 Euro kriege ich hier: 1 große Flasche Wasser, einen grünen Tee, eine Flasche Bier, einmal Wasabierbsen, zweimal Brote mit Hühnchenfüllung und mein Abendessen, gebratene Nudeln mit Hühnchen. So kanns weiter gehn.

Das einzige schwierige ist die, dass komplett alles in Thailändischer Schrift über steht, nichts auf englisch. Das macht es für mich nicht unbedingt einfacher.

Naja...ich mach mich mal auf ein paar Leute kennen lzu ernen, sonst seh ich mich heute abend noch hier im Hotel weit außerhalb von Bangkok vor dem thailändischen Fernsehen dahinvegetieren.

Bis denn