Mittwoch, 24. Oktober 2007

Ko Phi Phi – ein touristisches Paradies und den Tsunami im Hinterkopf

Ich habe nun meine Reise Richtung Süden fortgesetzt. Nach 16 Stunden Überfahrt mit Bussen und Fähren kam ich dann glücklich auf der Insel Ko Phi Phi an. Wie so oft, hatte ich keinen Plan von meinem Zielort. Aber immerhin hatte ich für die erste Nacht schon mal eine Unterkunft. Wie ihr ja schon auf den Bildern bestaunen konntet, ist Ko Phi Phi auf den ersten Blick ein kleines Paradies. Und es war verdammt warm.

Nachdem ich in meiner Unterkunft meine vielen Taschen untergebracht hatte, hab ich mich auf Entdeckungstour begeben. Die erste heiße Fährte führte mich auf den Aussichtspunkt auf einen der beiden Berge der Insel. Wie ihr auf den Bildern sehen könnt, gibt es auf Ko Phi Phi zwei große Berge die in der Mitte durch eine Landzunge miteinander verbunden sind. Auf dieser findet das ganze Leben der Insel statt, da es sonst kein größeres Dorf, geschweige denn eine Stadt gibt. Ein erster großer Unterschied zwischen Bangkok und Ko Phi Phi fiel mir schon auf, bevor ich die Insel je gesehen habe. Das Schiff war gefüllt mit Pauschaltouristen, alle unterwegs zu ihren Resorts oder mit dem Wunsch mit möglichst wenig Geld am meisten Party zu machen. Dazu natürlich braun werden. Aber für diesen Zweck ist diese Insel bestens geeignet, da man außer dem Tsunami Memorial Park, auf den ich nachher noch weiter eingehe werde, nicht viel machen kann. Die Insel hat sich primär auf ihren Strand und Aktivitäten wie Kanu fahren, Klettern und Tauchen spezialisiert. Wirklich einheimische gibt es hier wenige bis gar keine. Es gibt ein Dorf, mit 100 Einwohnern auf einem der beiden Berge.

Naja, jetzt hab ich schon wieder den Faden verloren.

Also, zumindest bin ich dann oben am Viewing Point angekommen und war überwältig von dem Anblick und der Schönheit dieses Blickes, welchen ich erstmal eine Zeit lang genossen habe. Es war das erste Mal richtig ruhig nach den ganzen Tagen in Bangkok, Chiang Mai und Katchanaburi. Dann habe ich ein Heft gesehn, in dem Bilder des Tsunamis waren. Eigentlich, muss ich ganz ehrlich sagen, viel mir die ganze Tragödie des Tsunamis erst auf der Fähre nach Ko Phi Phi wieder ein. Aber welche Ausmaße dieser auch auf dieser Insel hatte wurde mir dann durch dieses Heft richtig bewusst. Wenn ihr euch das Bild mal anschaut, könnt ihr euch das besser vorstellen. Die Wellen kam also von links auf die Landzunge zu und hat diese einfach vollkommen überrollt. Einfach von links nach rechts 6 Meter hoch drüber und hat es blieb fast nichts stehen. Erschreckendes Ergebnis: über 2500 Tote. So, da schluckst du erstmal und schaust dir die Insel noch und nochmals an. Dann ginge mir tausende Gedanken durch den Kopf und ich habe mir diese Situation versucht auszumalen, aber ich glaube, dass kann man gar nicht. Ab diesem Moment lag immer ein Stein auf meiner Seele, wenn ich durch die Gassen Ko Phi Phis geschlendert bin. Die übrigen Bilder waren nicht minder erschreckend. Berge von Leichen, verstümmelte Kinder, rennende Touristen und nur Schutt. Ich habe mich nachher mit einer Deutschen unterhalten, die seit 9 Jahren dort wohnt und alles „live“ miterlebt hat und das war dann noch erschreckender. Der konkrete Ablauf der Tragödie war nämlich dieser:

Am Abend vorher war der 25. Dezember, für viele Kulturen das eigentlich Weihnachten. Daher gab es eine große Feier in allen Pubs und Clubs. Daher sind die Leute am nächsten Morgen nicht so früh aufgestanden wie vielleicht sonst. Weiterhin müsst ihr wissen, dass man ungefähr 7 Minuten braucht um von der einen Strandseite des Insel auf die andere zu kommen. An den Stränden befinden sich dann die ganzen beliebten Bungalows. Klar, wer möchte nicht morgens aufstehen und direkt aufs Meer schauen können. Diese Bungalows wurden aber allen zum Verhängnis. Um knapp 10 morgens kam dann die erste Welle und hat alle noch schlafenden Bungalowbesitzer mitgerissen, diese hatten keine Chance. Aber was macht ein Tourist, wenn irgendwas passiert und er nicht selber betroffen. Er läuft natürlich zur Unglücksstelle und schießt Fotos. Als dann also die erste Welle abgeklungen war und alles Chaos versunken war, liefen hunderte schaulustige Touristen zum Strand um „schöne“ Urlaubsfotos zu machen. Was sie nicht ahnten, war das kurz danach eine zweite noch größere Welle auf den Strand zurollte. Kurz zwischendurch. Ihr dürft euch das nicht vorstellen, dass das riesen Wellen sind, die man schon von weiten sieht. Ne, diese Wellen bauen sich erst kurz vor dem Strand auf. Die ganzen Tauschschulen mit ihren Lehrern, die sich im Wasser befanden, hatten das meiste Glück. Sie haben den Tsunami nur als kurzweilige, stärkere Strömung wahrgenommen. Naja, zumindest sind die Touristen dann von der zweiten, größeren Welle alle mitgerissen worden. Das zweite Problem war, dass durch die erste Welle eine ganze Menge an Fisch an der Strand gespült wurde, den die Thais natürlich alle versuchten zu sammeln. Also war der Strand als die zweite tödliche Welle kam nicht nur voll mit Touristen, sondern auch mit Thais. Wie schon erwähnt. Ergebnis: 2500 Tote. Und jetzt lauf ich durch die Straße, über die wahrscheinlich schon Touristen wie du und ich tot gespült wurden. Irgendwie ein ungutes Gefühl. Apropos, das ganze Geld, was wir in Deutschland gespendet haben, kam natürlich nicht an. Keinen einzigen Pfennig haben die Thailänder auf dieser Insel gesehen. Aber das war ja irgendwie schon klar.

Jetzt knapp 4 Jahren danach, gebt das Leben wieder weiter. Man sieht überall Baustellen, obwohl das Bauen auf dem zerstörten Land bis heute verboten ist, aber von irgendwas müssen die Leute ja hier auch leben. Wie schon gesagt, Ko Phi Phi ist nur turistisch am Leben zu halten. Ein kleines Fleckchen Erde ist aber dem Tsunami Memorial Park gewidmet. Ein Ort an dem, glaub ich, den Tränen am nächsten ist. Hier sind Fotos der Opfer ausgestellt, mit Briefen die Freunde oder Verwandte hinterlassen haben, die Jahre später noch mal hier herkamen. Und gerade durch die Bilder wird einem echt deutlich, dass dies alles Leute wie du und ich waren, die sich dafür entschieden hatte Weihnachten mal woanders zu verbringen. Aber diese Insel zeigt sehr eindrucksvoll, dass das Leben hier weitergehen muss und auch weitergeht.

Die Hauptattraktion auf Ko Phi Phi sind wahrscheinlich die Sunset Trips zu den jeweiligen Punkten um den Insel, die man sonst nicht erreicht, da diese Insel noch nie ein Auto oder Moped gesehen hat. Diese Tour habe ich auch gemacht und sie war sehr schön. Man ist mit dem Schiff um die Insel getuckert und kam am Schluss, nach ein paar Stopps am Maya Beacht an. Dieser Strand wahr Schauplatz für die Verfilmung des Romas „The Beach“, Hauptdarsteller Leonardo di Caprio. Der Strand ist echt wunderschön, wie ihr ja wieder auf den Bildern sehen könnt.

Noch ein Unterschied zu Bangkok: Kein einziger buddistischer Tempel, sondern nur eine Moschee, da alle Einwohner hier muslimisch sind.

Nach drei Tagen ausgiebigen Touristenschwärmen war es mir dann genug und ich habe mich entschieden auf die andere Seite Thailands zu fahren. In Richtung Ko Tao.

Der Bericht von dort kommt bald.

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

mensch, dank deines berichtes kann ich jetzt sicher nicht schlafen...

mach weiter so!! deine treue leserin carina

Anonym hat gesagt…

deine berichte sind wirklich beeindruckend. warte schon immer ungeduldig auf den nächsten. uschi

Anonym hat gesagt…

Nun traue ich mich auch mal in das Kommentarfeld und siehe da, es ist gar nicht so schwer!
Lieber Flo, Deine Berichte sind unglaublich und auch wenn ich noch nicht im Kommentarfeld erschienen bin (wird sich ändern!!) bin ich ein regelmäßiger "Reinseher" und Leser!
Gruß aus dem vorwinterlichen Spardorf!
Wolfhart