4:30: Ich habe gerade mein Hotelzimmer bezogen. Hinter mir liegt ein Abend, der von neuen Erfahrungen nur so überfüllt war. Da ich alle Facetten der thailändischen Bevölkerung kennenlernen will, zog es mich heute in die wohl für ein Gewerbe sehr bekannte Stadt Phuket. Besser gesagt schlug ich mein Quatier direkt im Party- und Sextourismusteil der Stadt Patong Beach auf. Thailand ist ja bekannt für eine Menge Paare, die aus einem Teil Falangh (Ausländer), meist männlich, über 50 und nicht gerade attraktiv und einer meist sehr hübschen kleinen jungen Thai bestehen. Ein Schelm wer bei dieser Konstellation was Falsches denkt. Natürlich sind beide vom Pfeil Amors mehrfach getroffen worden. Naja, zumindest läuft der Falangh ganz stolz mit seiner „Eroberung“ Hand in Hand durch die Straßen. Es fehlt nur noch das Preisschild am Hintern. Klingt zynisch, ist aber sehr traurig, wenn man versucht die Augen dieser Frauen zu interpretieren. Eines muss man ihnen lassen, sie wissen ihre Männer zu verwöhnen, aber auch hier zeigt sich wieder wie gut es Thais gelingt Konflikten zu entgehen indem sie selber zurückstecken. Das Schlimmste, was einem Thailänder passieren kann, ist das er sein Gesicht verliert. Das heißt, dass er vor einer Gruppe bloßgestellt wird. Daher versuchen die Thailänder auf Rücksicht auf die Gesichter ihrer Mitmenschen so zu handeln, dass es zu keinen Kontroversen oder Konflikten kommen kann. Aus dieser Haltung resultiert auch die ungewöhnliche Freundlichkeit der Thais.
Von dieser Art Paare wimmelt es in Patong Beach nur so.
So machte ich mich nun am späten Abend auf das berüchtigte Rotlichtmilieu Phuket live mitzuerleben. Weil es gibt nicht schlimmeres, als wenn Menschen über was herfahren, was sie selber noch nicht miterlebt haben bzw. noch nicht mit ihren eigenen Augen gesehen haben. Auch dieses Mal habe ich versucht mit so wenigen Vorurteilen an die ganze Expedition heranzugehen. Diese gewisse Straße erschlug mich erstmal durch ihre Anzahl an bunt blinkenden Schildern und Aufschriften. Paradoxerweise erinnerte es ich an den Times Square in New York. Bei beiden geht es ja um viel Geld, und am Ende verliert nur das Herz und der Verstand der Menschheit. Sei es am Times Square der Kunde der durch die Medienüberflutung in seiner freien Entscheidungsgabe wesentlich eingeschränkt wird. In Phuket wird vermehrt das Herz der armen jungen Mädels mit Füßen getreten.
Im Detail will ich mich bei der Beschreibung des wilden Treibens an diesem Ort nicht verlieren, da ich immer noch will das diese Seite alle lesen können, egal welchen Alters. Die Straßen sind gefüllt mit jungen Thailänderinnen, die mehr als spärlich ihre Körper bedecken. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass 30 Prozent dieser Frauen im früheren Leben Männer waren. Aber über dieses Thema Thailands werde ich noch einen gesonderten Artikel schreiben. So läuft man nun wie im Spießrutenlauf durch die hunderten „Gelegenheiten“ und versucht den Händen und verführerischen Blicken auszuweichen immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass diese Frauen sicher nicht dich als Person sondern vielmehr den Inhalt deines Geldbeutels im Visier haben. Köstlich amüsieren kann man sich über die Freier, die sich unglaublich männlich vorkommen, wenn sie gleich zwei Frauen um sich geschert haben. Wenn man dann eine der vielen Bars betritt wird das Spiel noch lustiger. Hier hat der Tresen mit einer Längen von vielleicht 10 Meter nach jedem Meter eine Go-Go Stange an dem noch spärlich bekleidetere Mädchen in verführerische und eindeutigen Posen versuchen ihren Lebensunterhalt zu verbessern. Man kommt sich vor wie in einem Tollhaus. Aber wie schon erwähnt will ich nicht näher auf Details eingehen. Mein Ziel war es wie immer mehr über die Thailänder zu erfahren und so erwiderte ich die Blicke eines Mädels. Ich habe jetzt schon des öfteren die Erfahrung gemacht, dass es unglaublich schwer ist an das Innere eines Thais durch Gespräche heranzukommen. Man kann sich die Persönlichkeit eines Thais als eine Zwiebel vorstellen. Die erste Haut ist gut sichtbar für die Touristen. Die Haut der Freundlichkeit, der Hilfsbereitschaft und des Lächelns, für das Thailand ja bekannt ist. Ganz in der Mitte der Zwiebel befindet sich die Familie und die wahren Gedanken und Gefühle der Thais. Um in diese Zone vorzudringen muss man behutsam eine nach der anderen Haut entfernen. Dabei braucht man sehr viel Fingerspitzengefühl, um nicht zu schnell versehentlich eine Haut zu zerreißen.
So begann ich nur, frei nach Günther Grass, mit dem „Häuten der Zwiebel“.
Ich machte diesem Mädchen von vornherein klar, dass mit mir heute Abend kein Geld zu machen ist, sondern, dass ich nur mehr erfahren möchte über ihre Arbeit und unter welchen Umständen sie hier nach Patong kam. Nach einer überraschten Reaktion ihrerseits kamen wir ins Gespräch, welches sich durch die dröhnende Musik und die geringe Kenntnis der englischen Sprache des Mädchens etwas schwierig gestaltete. Sie war 21, sah aber aus wie 16. Dieser Eindruck wurde durch ihr Outfit, welches dessen eines kleinen unanständigen, naiven Mädchen ähnelte, noch verstärkt. Sie kommt aus dem Norden Thailands aus einer armen Familie und sah in diesem Job ihren einzigen Ausweg aus der kompletten Armut, erzählte sie mir. Dabei muss man wissen, dass gerade der Norden Thailands sehr mit der Armut zu kämpfen hat. Auf die Fragen nach ihren Eltern, antwortete sie mir, dass sie natürlich nicht begeistert sind, aber auch auf das Geld angewiesen sind. Das heißt konkret auf das Geld, welches sie verdient, wenn sie am Abend mit alten Männern mitgeht die das Alter ihres Großvaters haben könnten. Als sie dies im gebrochenen Englisch erzählte trieb es mir Tränen in die Augen, nicht so sehr weil sie es im traurigen Ton erzählten, sondern vielmehr da mir mal wieder bewusst wurde unter welchen Privilegien ich mein Leben so leben kann, wie ich es mir vorstellte. Vielleicht ist es nicht unbedingt ein Privileg in der versnobten Stadt Erlangen, aber im großen Rest der Welt ist es eines. Hier ist das Schulsystem leider auch so aufgebaut, dass die die Geld haben ihre Kinder auf die guten Privatschulen schicken können. Die Kinder der Familien ohne Geld haben dann gar keine Chance mehr. Da haben wir Deutschland schon einen großen Vorteil mit unserem Schulsystem.
Ich habe gelesen, dass die Arbeit als Prostituierte hier in Thailand durch den Buddhismus nicht so schlimm für die Mädchen sei, da, der Religion nach, alle Handlungen auf der Erde vergänglich sind, und nicht wie im Katholizismus ihre Arbeit als Sünde angesehen wird. Diese religiöse Tatsache macht es den Mädchen anscheinend leichter diesen Job auszuüben. Naja, wer mag, kann es glauben. Ich bin davon nicht ganz überzeugt. Auf dies Fragen, was Buddha zu diesem Gewerbe sagen würde, antwortete sie nicht. Ob es daran lag, dass sie mich nicht verstanden hat oder ob sie einfach nicht antworten wollte oder konnte, weiß ich nicht.
Da das Gespräch sich durch die Lautstärke immer schwieriger durchzuführen ließ, machte ich den Vorschlag nach draußen zu gehen. Dieser Vorschlag wurde aber abgelehnt, da sie sich nur von der Bar entfernen durfte wenn ich sie bezahle. Viel war leider nicht aus dem Gespräch herauszuholen, am Ende habe ich habe ich aber noch die E-mail Adresse bekommen, so dass ich versuchen werde durch E-Mails noch mehr zu erfahren.
Oh Mann, nach dieser Begegnung war ich mal wieder sehr aufgewühlt. Denken diese ganzen Touristen hier eigentlich nie nach? Schalten sie ihr Gehirn und ihr Herz aus, sobald ihr sicheres, reiches Land verlassen? Verlassen sie meist nicht nur ihr Land, sondern auch ihre Familie, um mit Mädchen zu schlafen, die ihre Töchter sein könnten? Was sind das für Menschen?
Achso, für diejenigen, die es interessiert: Die Nacht kostet ungefähr 1500 Baht, was ungefähr 35 Euro sind. 35 Euro für das Gefühl der Reinkarnation als junger attraktiver Mann, der alle Frauen haben kann. Diese Investition ist es vielen anscheinend wert. Die Bars waren alle gerammelt voll!!!
1 Kommentar:
Hallo Florian,
viele Grüße aus Köln senden dir die 4 Gorgels
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