Heute hatte ich solches Glück und das gleich zweimal. Angefangen hat es damit, dass ich es am Donnerstag nicht geschafft hatte, meinen Besuch im Olympischen Zentrum zu machen. Daher fuhr ich am nächsten Tag ohne Vorahnung von meinem späteren Glück recht spät am Tage Richtung Olympiastadium. Die Strecken sind ja in Australien immer ein bisschen länger, sodass ich nach knapp einer Stunde, aber immer noch in Sydney, im Zentrum des sportlichen Weltinteresses im Jahre 2000 ankam. Aber ich wurde zuerst enttäuscht, da ich dachte eine Ausstellung oder ähnliches vorzufinden. Die einzige Möglichkeit ein bisschen von dem Feeling der damaligen Zeit mitzuerleben offenbarte mir ein geführter Rundgang durch Stadium, welches hier auch einer großen Telekommunikationsgesellschaft gehört und daher mit deren Namen „geschmückt“ ist. Das Stadium ist, wie ihr auf den Bilder sehen könnt, mächtig groß und sehr modern. So wurde aber die vorherige Sitzplatzmenge von 110.000 auf knappe 85.000 heruntergeschraubt, um die AFL, die Australian Football League, im neuen Stadium willkommen zu heißen. Kurz am Rande: Australian Football, ist die australische Version des Rugbys. Selber war mir noch nicht die Ehre zu teil diesem Spektakel beizuwohnen, aber Erzählungen nach ist es um einiges härter als Rugby und es gibt quasi keine Regeln. Ein anderer Bekannter kommentierte den Sport wie „Basketball in den USA; irgendwie Ballett“.
Weiter im Text. Die Tour führte uns durch Journalistenräumen, die kargen Umkleidekabinen der Mannschaften, Aufwärmbereiche und natürlich die VIP-Räume. Hierbei muss erwähnt werden, dass dieses Stadium im Privatbesitz von fünf grossen Unternehmen ist. Darunter die größte australische Fluggesellschaft und die Firma mit der roten geschwungenen Schrift, die den amerikanischen Kapitalismus wohl am meisten symbolisiert. Die Erlaubnis für diese Bereiche kann im Jahr gute 120.000 Euro pro Person kosten. Dafür hat man aber gesicherte Plätze für alle Ereignisse sportlicher wie musikalischer Art.
Sonst war leider auf dem olympischen Gelände nicht sehr viel mehr zu sehen. So machte ich mich auf den Heimweg. Es war inzwischen schon fünf Uhr abends als ich eine große Menschentraube vor dem Eingang der Olympiahalle, in der alle großen Konzerte Sydneys stattfinden, bemerkte. Um nicht irgendwas Kostenloses zu verpassen, näherte ich mich der Halle und fragte die umstehenden Leute, was hier los sei. Ich hatte schon die Vermutung, dass es sich um ein Konzert handeln könnte. Da die Menschen aber durchwegs doppelt so alt waren wie ich, kam ein Konzert einer modernen Rockband nicht in Frage. Es stellte sich dann zu meiner vollkommenen Glückseligkeit heraus, dass es sich um das Solo-Konzert von Elton John handelt. Und wer mich kennt, der weiß ja wie ich dann ausgeflippt bin. Aber auf der anderen Seite, dachte ich mir, dass es eh keine Karten mehr geben wird, aber ein Versuch war es mir alle mal wert. Also suchte ich so schnell wie möglich den nächsten Kassenautomaten.
Es gab noch Karten! J Die billigste lag bei 100 Dollar!! L
Oh Mann, das war vielleicht eine Entscheidung. 100 Dollar sind viel Geld, wenn man ein Jahr unterwegs ist, aber auf der anderen Seite ist Elton ja schon 60 und wer weiß ob der nicht doch irgendwann mal ins Gras beißt. War das zu böse?? Naja, zumindest werde ich diese Chance vielleicht nie wieder kriegen. So haderte und zauderte ich eine Weile, den Blick immer Richtung Halle und dem großen Plakat mit Elton Johns Gesicht darauf. Der entscheidende Schritt gelang mir dann aber erst nachdem ich mich mit meiner Mutter kurzgeschlossen hatte. Danke noch mal Mama!!!
So machte ich mich auf, mein Herz schlug mir bis zu Hals. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich soviel Glück hatte genau am richtigen Ort zur richtigen Zeit gewesen zu sein. So betrat ich die Halle, als ein Mann auf mich zukam. Ich weiß immer noch nicht wirklich warum er gerade mich auswählte. Naja, ich sah direkt das kleine Schildchen mit der Aufschrift Elton John Staff an seiner Hose hängen. Die Frage seinerseits kam prompt: „Bist du Elton John Fan?“ Mein Antwort kam noch sehr viel schneller: „Ja sicher, bin ich Elton Fan. Da ist wie ein Traum, der für mich gerade in Erfüllung geht“. Ich erzählte ihm noch kurz, dass ich eigentlich ganz zufällig hier war und dass ich mich so freue hier sein zu dürfen. Meine Antwort war natürlich durch mein unglaubliches Glücksgefühl in dieser Situation hoch emotional. Aber damit traf ich den Jackpot. Der Herr, sagte er würde mir die Karte gegen eine andere eintauschen, und zwar, jetzt kommt es, in der ersten Reihe genau der Mittelplatz vor dem Flügel von Elton John.
Wenn Red Bull Flügel verleiht, weiß ich nicht wie viele ich hätte trinken müssen um dieses Gefühl zu haben. Nicht nur, dass ich rein zufällig am richtigen Tag im Olympiazentrum war, nein, ich werde das Konzert auch noch aus der ersten Reihe erleben. Da ich die Kartenpreise vorher gesehen hatte, wusste ich, dass diese Karte 400 Dollar wert war. Aber im Endeffekt hat sie einen unbeschreiblichen Wert, da Elton John, die besten Plätze für Leute reserviert die vorher ausgewählt werden. Daher kommt man an die Karten nicht ran. So nun machte ich mich auf die meine Kategorie „GOLD“.
Alle Besucher waren aufs äußerste herausgeputzt mit Anzug und Kleidern, zumindest in der teuersten Kategorie. Die Damen versuchten den lieben Elton wohl wieder auf die Frauenseite zu holen. Naja und mitten unter den Gästen mit ihren edlen Roben und den finanziellen Möglichkeiten 400 Dollar pro Karte auszugeben, saß dann ich. Ich, mit meiner kurzen Shorts, den dreckigen T-Shirt, meinem Wanderrucksack und der Kamera um den Hals. Ja, ich wusste ja nicht, dass ich auf ein Konzert gehen werde. Ich will ja nicht wissen, was die anderen Besucher von mir in der ersten Reihe dachten. Zu mir gesellten sich dann bis zum Anfang des Konzertes noch 4 glückliche Gäste. Ein Junge in meinem Alter mit seiner Mutter, und eine schwules Paar aus Kanada. Achso, der Junge mit seiner Mutter war auch schwul, stellte sich im nach hinein heraus. Ob das das Auswahlkriterium war???
Das Konzert selber war der Hammer. Angefangen hat der kleine Herr im schwarzen Frack, welcher mit Schmetterlingen verziehrt war und seiner Sonnenbrille, mit „Your Song“ für einen am Sonntag davor verstorbenen Freund und geendet hat es mit „Circle of life“. Dazwischen lag gut zwei ein halb Stunden pures Rock’n’Roll Klavier mit romantischen Pausen. Ich glaube zusammen genommen hat er mehr solo Klavier gespielt als dass er gesungen hat. Wer Elton John nicht live oder auf DVD gesehen hat, kennt ihn echt nicht. Das schöne war ich spürte gar nicht, dass tausende von Leuten hinter mir saßen, die Halle war voll. Es war wie ein Konzert nur für mich und die erste Reihe. Der Flügel war vielleicht fünf Meter von mir entfernt. So hatte ich beste Sicht auf Eltons fünf Minuten Intros..
Ich habe noch nie so ein Konzert von nur einer Peron auf der Bühne erlebt. Unglaublich, wie er alle mitgerissen hat. Und dass ohne hämmerndes Schlagzeug oder schnelle Gitarrensolos. Einfach unglaublich, der Sir Elton John, der Mister Rocketman!!!
Der Abend endete dann damit, dass ich mit den anderen drei Glücklichen noch was trinken gegangen bin, natürlich in die Schwulenbars, für die ja Sydney bekannt ist.
2 Kommentare:
gut das wir wissen auf welcher Seite du stehst!! Uschi
es gibt einfach leute die sind immer vom glück gesegnet...dein patrick
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