Donnerstag, 27. Dezember 2007

My wicked chrissie!!!- Mein verrücktes Weihnachten!!!

Puh geschafft!!! – So habe ich den Artikel über meine Trekkingtour durch den Norden Thailands begonnen und genauso beginne ich meinen Artikel nun erneut.

Puh geschafft!!!

Ich habe die Weihnachtszeit, oder besser gesagt die WeihnachtsFEIERtage erfolgreich hinter mich gebracht. Dass die australischen Weihnachtsfeiertage mehr Feiern als Weihnachten beinhalten soll bei diesem Bericht verstärkt herauskommen.

Ich habe meinen Heilig Abend, also den 24. Dezember, damit begonnen mich um vier Uhr morgens aus dem Bett zu quälen, um meine Weihnacht mit einem Sonnenaufgang über dem Meer beginnen zu können.

Ach so, ihr wisst ja gar nicht wo ich mich gerade aufhalte. Um euch aufzuklären, ich bin in Byron Bay, welches jedem Backpacker auf seiner Australientour mindestens einmal zum Schlaf- und Vergnügungsplatz wird. Byron Bay befindet sich am östlichsten Zipfel Australiens und ist eine weitere Strandstadt auf meiner Reiseroute Richtung Norden, Richtung Cairns. Auszeichnen tut sich Byron Bay durch sein hippesques (wie schreibt man das?!) Flair und die Perfektion der australischen „Laid-Back-Mentalität“. Alles läuft ein bisschen langsamer, freundlicher und gesünder ab, als in den Großstädten wie Sydney oder Brisbane. Auf der anderen Seite ist Byron Bay ein Partytempel für Backpacker. Ich glaube über 15 Backpacker-Hostels hier gezählt zu haben. Die Kakophonie der allabendlichen Partygeräusche und Smalltalks wird durch die deutsche Sprache hier stark geprägt. Die Chance, dass dein gegenübersitzender Gesprächspartner auch der deutschen Sprache mächtig ist, liegt fast bei 50 Prozent. Aber ich fühle mich hier trotz der deutschen Invasion sehr wohl. Gerade da mein Hostel ein Traum ist. Ich habe, Gott sei Dank, über Weihnachten und Sylvester einen Platz in der „Arts Factory“ bekommen. Hierbei handelt es sich um das wahrscheinlich beste Hostel Australiens. Zumindest wird es so durch Mundpropaganda weitergegeben. Es befindet sich außerhalb des Stadtzentrums im Regenwald. Geschlafen werden kann in Tippizelten, umgebauten Bussen, normalen 10 Bettzimmer oder in seinem eigenen Zelt auf dem anliegenden, im Regenwald versteckten Zeltplatz. Ich habe die ersten Tage noch im Zimmer übernachten, wechsle jetzt aber meine Übernachtungsart und ziehe in mein eigenes Zelt. Ja, ich habe mir hier ein Zelt zugelegt. Eigentlich schon in Port Macquarie und ich habe es seitdem immer, an meinem großen Backpack geschnallt, mitgeschleppt, bevor es nun endlich das erste Mal zum Einsatz kommt. Das Hostel verfügt darüber hinaus noch über einen schönen Pool mit Whirlpool, einer Sauna, Beachvolleyballfelder und vielen vielen Leute. Es ist aber leider immer das gleiche: Umso größer die Anzahl der Backpacker, umso größer ist auch die Anzahl an Dreck und unabgespülten Küchenutensilien. Aber dass muss man halt auf sich nehmen. Man macht ja auch nicht im Urlaub im Luxusresort. Das Hostel ist reich bestückt mit Hängematten und Plätzen an denen man relaxen kann. Aber ich sitze oft nur da und beobachte die Leute, die meist unglaublich kreative Gestaltungsmöglichkeiten gefunden haben ihren Körper zu bedecken. Gerade die Japaner die bei uns sind, sind unglaublich auffallend geschmückt. Vielleicht schaffe ich es noch irgendwann Fotos von ihnen zu machen.

Whatever. Ich wollte euch ja eigentlich von meiner australischen Weihnachtserfahrung berichten.

Ich bin, wie schon erwähnt, zu sehr früher Morgenstunde aus der Feder gesprungen und habe den Bus Richtung Leuchtturm Kap Byron Bay genommen. Dort habe ich den Sonnenaufgang am Horizont betrachtet. Ich glaube hier lass ich wirklich die Fotos selber davon erzählen, da meine Worte diese Farbenprächtigkeit sicher nicht im würdigen Maße widerspiegeln könnten. Nur eins muss gesagt sein. Wer hier an der Ostküste die Sonne so rot über dem Meer sehen will, muss früh aufstehen. Da man leider auf der Ostseite Australiens keine Sonnenuntergänge am Horizont sehen kann, solange man sich nicht auf einer Insel befindet. Ich hoffe, dass irgendjemand meinem Opa die Bilder zeigen kann. Würde mich sehr freuen.

Diese Morgenröte war der perfekte Beginn einer wunderschönen Weihnacht. Nachdem ich im Hostel dann nochmals ein bisschen Schlaf nachgeholt hatte, habe ich ausführlich mit ein paar deutschen Freunden gefrühstückt. Danach habe ich mich in der Stadt auf die Suche nach einer Kirche gemacht, um den ganzen konsumorientierten Weihnachten zumindest kurz am Abend den Rücken zuzukehren. Ich wurde recht schnell fündig und stand vor einer katholischen Kirche. Leider sind die Kirchen in Australien nicht so alt und daher nicht so feierlich. Aber auf die Kirche und den Gottesdienst komme ich nachher noch mal zu sprechen. Nach der erfolgreichen Suche, habe ich die weihnachtliche Stimmung in der Stadt versucht aufzusaugen. So führte mich mein Spaziergang vorbei an Strand, den Geschäften, die gefüllt waren mit den „Last-Minute-Geschenke-Einkäufer“, den vielen Restaurants und Cafés. Da die Australier den Heilige Abend nicht primär feiern, konnte man sehr schnell die vielen europäischen, speziell deutschen Touristen erkennen, die ihr Weihnachtspicknick am Strand gefeiert haben.

Sonst konnte man am Strand noch eine besonders merkwürdige Gattung Mensch beobachten, die in Bikini, schon reichlich geröteter Haut und Santa Claus Mützen der UV-Strahlung frönten.

Der ganze Stress, prickelt während meines Spaziergangs förmlich von mir ab, da ich mein Weihnachten so verbringen konnte wie ich wollte. Ich war nicht gefesselt an Termine, Geschenke besorge und Hektik. Auf der anderen Seite vermisste ich aber auch die Geselligkeit und man mag es kaum glauben, das Wetter. Ja so ein bisschen Schnee und dann einen Glühwein hätte mir schon gefallen. Es wäre schön, dass ganze mit meiner Familie und meinen Freunden teilen zu können. Gut, dass gerade nur die halbe Weltkugel zwischen uns liegt. So beobachte ich in Ruhe wieder Leute. Kleidung ist sehr wichtig. Speziell rote Santa Claus Mützen mussten sein. Man sah vermehrt weihnachtlich geschmückte Leute, ihre Einkäufe nach Hause bringen. In einem Arm die Einkaufstüte von Quicksilver, in der anderen einen Kasten Bier. Ja, am darauffolgenden Tag, dem Christmas Day, also am 25. Dezember sind die Geschäfte geschlossen. Sehr ungewöhnlich in einem Land, in dem sonst die komplette Woche die Läden geöffnet haben. Daher gerieten alle in Panik und musste den Alkohol für die nächsten zwei Tage kaufen. Es waren ja immerhin WeihnachtsFEIERtage. Nachdem ich mir noch einen gesunden, organischen „Fruchtsmoothie“ gegönnt hatten, es war ja immerhin Weihnachten, machte ich mich langsam wieder auf in die Arts Factory.

Angekommen hatte ich grad noch Zeit mich ein bisschen frisch zu machen und was schnelles zu Essen bevor ich mich dann wieder Richtung Stadt, Richtung Gottesdienst aufmachte. Laufen, laufen, laufen. Das ist eigentlich meine Hauptbeschäftigung auf meiner Reise. Da ich sehr oft ohne Schuhe umherwandere, werden meine Füße durch die Hornhaut auch immer unempfindlicher. Ich habe in der Kirche sehr früh gemerkt, dass die Besucher prozentual den gleichen Generationsschichten zuzuordnen waren, wie bei uns. Ich war nicht mehr in der Hillsong-Church, in der viele, sehr viele jugendliche Gläubige unterwegs waren. Hier waren wieder wenige, sehr wenige Jungendliche zu finden. Ministranten gab es gerade drei. Der ganze Gottesdienst war schön, aber nicht sehr feierlich. Der Aufbau war gleich dem einer normalen sonntäglichen Eucharistiefeier. Kein Krippenspiel, kein dramatisches Vorlesen der Weihnachtsgeschichte, dafür aber Stille Nacht, Heilige Nacht. Im Gesangbuch stand der Titel sogar noch in Deutsch. Sogar in der Kirche konnte man die australische „Laid-Back-Mentalität“ beobachten. Kinder hüpften um den Altar und spielten mit den Krippenfiguren. Die Musik bestand aus einer Jazzorgel und einem Schlagzeug. Gesungen wurden amerikanische Christmaschorals. Was mich sehr geärgert hatte, war, dass einer der ersten Lieder, die ich in meinem antikommerziellen Zufluchtsort zu Ohren bekam, „Rudolf, the red nose raindeer“ war. Naja! Im Gottesdienst selber gab es viele Momente in denen in euch daheimgebliebenen gerne gesehen hätte. Ich hätte gerne die tolle Stimmung an Weihnachten zu Hause gespürt mit meiner Familie und meinen Freunden. Gerade nach dem Gottesdienst gab es für mich keine „fröhliche Weihnachten“-Wünsche. Aber dafür ist es ja auch ein anderes Weihnachten, eine neue Erfahrung, eine Erfahrung reicher.

Nach dem schönen Gottesdienst bin ich dann noch zum Strand, auf der Suche nach ein bisschen Unterhaltung. Zu meiner Überraschung war aber am Strand fast keiner anzufinden. Dafür sollte am nächsten Tag der Strand im Mittelpunkt stehen. Daher begnügte ich mich mit der Feier in der Arts Factory. Es ist nur immer schwer zu einer Party dazuzustoßen, wenn alle schon seit fünf Stunden dabei sind. Aber so verbrachte ich den restlichen Abend damit mich mit ein paar neuen Bekanntschaften zu unterhalten. Die Stimmung war recht ausgelassen. Um halb drei habe ich dann beschlossen meinem Bett einen Besuch abzustatten. Leider kam dann die nächste Weihnachtsüberraschung. In meinem Schlafsaal hatte sich ein Paar beschlossen noch ihre körperlichen Weihnachtsgeschenke zu geben. So schloss ich die Tür leise wieder und machte noch einen halbstündigen Spaziergang durch die Arts Factory. Beim zweiten Versuch ins Bett zu gehen, war dann das Licht aus und es war ruhig, sodass ich schön in den 25. Dezember hinein schlafen konnte.

Der nächste Tag begann erst um halb zwölf, zumindest für mich. Nach einem Frühstück habe ich mich dann mit ein paar Freunden kurzgeschlossen, wie wir Weihnachten denn nun endgültig verbringen wollen. Strand, war die einstimmige Entscheidung. Gott sei Dank, hatte die Arts Factory ein großes BBQ organisiert. So machten wir uns auf den halbstündigen Weg zum Strand. Dort erwarteten uns dann schon die über hundert anderen Backpacker. Es gab reichlich Gegrilltes. Vorwiegend Scampis. Dazu gab es Freibier und Freiwein. Die Uhr zeigte inzwischen ein Uhr mittags. So platzierten wir uns zwischen die vielen Gruppen von singenden, lachenden und essenden Leuten. Die Stimmung war super. Die Party hatte den richtigen „Vibe“. Jeder verstand sich mit jedem. Wenn man mal keinen richtigen Spruch zum Beginn einer Konversation auf den Lippen hatte, konnte man allen immer noch „Merry Christmas“ wünschen. So lagen wir nun in der Nähe vom Strand in der Mittagssonne mit BBQ und Bier und feierten unser ganz persönliches, australisches Weihnachten. Anders aber irgendwie wunderschön. Zwischendurch organisierten sich Gruppen zum Cricket oder Fußball spielen. Der Surfboardverleih war an diesem Tag umsonst und das Meer eine willkommene Erfrischung zwischen Scampi, Wassermelone und Bier. Ich habe mich während der Party in Gruppen von Holländern, Kolumbianer und Deutschen (en másse) wiedergefunden. Zwischendurch habe ich dann noch einen Spaziergang zur Aussichtsplattform des östlichsten Punkt Australiens unternommen. Der Tag ging dann so weiter. Als es langsam dunkel wurde haben wir uns alle am Strand versammelt, um die Weihnachtssonne untergehen zu sehen. Dabei sind auch die Sonnenuntergangsbilder entstanden. Bevor es komplett dunkel wurde, machten wir uns auf den Heimweg, Richtung Arts Factory. Dort feierten wir dann noch ein bisschen weiter bis ich mich dann glücklich ins Bett aufmachte. Dieses Mal ohne Überraschungen.

Oh mate, what a wicked chrissie!! Ich hatte echt ein wunderschönes Weihnachten und hoffe ihr auch.

Merry Christmas!

Bis dann

Euer Flo

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Allein wegen der Scampis würde ich schon gerne mal in Australien Weihnachten feiern! Und die Sonnenauf- und untergänge würde ich auch gerne nochmal live erleben!!!!Uschi

Anonym hat gesagt…

Lieber Flo,
Scampi und Bier an Weihnachten satt und flat, was braucht der Mensch mehr! Wir gönnen Dir das von Herzen, auch wenn uns hier Weihnachten ein bedeutender Gansesser gefehlt hat!!!
Mach´s weiterhin gut!