Donnerstag, 27. Dezember 2007

My wicked chrissie!!!- Mein verrücktes Weihnachten!!!

Puh geschafft!!! – So habe ich den Artikel über meine Trekkingtour durch den Norden Thailands begonnen und genauso beginne ich meinen Artikel nun erneut.

Puh geschafft!!!

Ich habe die Weihnachtszeit, oder besser gesagt die WeihnachtsFEIERtage erfolgreich hinter mich gebracht. Dass die australischen Weihnachtsfeiertage mehr Feiern als Weihnachten beinhalten soll bei diesem Bericht verstärkt herauskommen.

Ich habe meinen Heilig Abend, also den 24. Dezember, damit begonnen mich um vier Uhr morgens aus dem Bett zu quälen, um meine Weihnacht mit einem Sonnenaufgang über dem Meer beginnen zu können.

Ach so, ihr wisst ja gar nicht wo ich mich gerade aufhalte. Um euch aufzuklären, ich bin in Byron Bay, welches jedem Backpacker auf seiner Australientour mindestens einmal zum Schlaf- und Vergnügungsplatz wird. Byron Bay befindet sich am östlichsten Zipfel Australiens und ist eine weitere Strandstadt auf meiner Reiseroute Richtung Norden, Richtung Cairns. Auszeichnen tut sich Byron Bay durch sein hippesques (wie schreibt man das?!) Flair und die Perfektion der australischen „Laid-Back-Mentalität“. Alles läuft ein bisschen langsamer, freundlicher und gesünder ab, als in den Großstädten wie Sydney oder Brisbane. Auf der anderen Seite ist Byron Bay ein Partytempel für Backpacker. Ich glaube über 15 Backpacker-Hostels hier gezählt zu haben. Die Kakophonie der allabendlichen Partygeräusche und Smalltalks wird durch die deutsche Sprache hier stark geprägt. Die Chance, dass dein gegenübersitzender Gesprächspartner auch der deutschen Sprache mächtig ist, liegt fast bei 50 Prozent. Aber ich fühle mich hier trotz der deutschen Invasion sehr wohl. Gerade da mein Hostel ein Traum ist. Ich habe, Gott sei Dank, über Weihnachten und Sylvester einen Platz in der „Arts Factory“ bekommen. Hierbei handelt es sich um das wahrscheinlich beste Hostel Australiens. Zumindest wird es so durch Mundpropaganda weitergegeben. Es befindet sich außerhalb des Stadtzentrums im Regenwald. Geschlafen werden kann in Tippizelten, umgebauten Bussen, normalen 10 Bettzimmer oder in seinem eigenen Zelt auf dem anliegenden, im Regenwald versteckten Zeltplatz. Ich habe die ersten Tage noch im Zimmer übernachten, wechsle jetzt aber meine Übernachtungsart und ziehe in mein eigenes Zelt. Ja, ich habe mir hier ein Zelt zugelegt. Eigentlich schon in Port Macquarie und ich habe es seitdem immer, an meinem großen Backpack geschnallt, mitgeschleppt, bevor es nun endlich das erste Mal zum Einsatz kommt. Das Hostel verfügt darüber hinaus noch über einen schönen Pool mit Whirlpool, einer Sauna, Beachvolleyballfelder und vielen vielen Leute. Es ist aber leider immer das gleiche: Umso größer die Anzahl der Backpacker, umso größer ist auch die Anzahl an Dreck und unabgespülten Küchenutensilien. Aber dass muss man halt auf sich nehmen. Man macht ja auch nicht im Urlaub im Luxusresort. Das Hostel ist reich bestückt mit Hängematten und Plätzen an denen man relaxen kann. Aber ich sitze oft nur da und beobachte die Leute, die meist unglaublich kreative Gestaltungsmöglichkeiten gefunden haben ihren Körper zu bedecken. Gerade die Japaner die bei uns sind, sind unglaublich auffallend geschmückt. Vielleicht schaffe ich es noch irgendwann Fotos von ihnen zu machen.

Whatever. Ich wollte euch ja eigentlich von meiner australischen Weihnachtserfahrung berichten.

Ich bin, wie schon erwähnt, zu sehr früher Morgenstunde aus der Feder gesprungen und habe den Bus Richtung Leuchtturm Kap Byron Bay genommen. Dort habe ich den Sonnenaufgang am Horizont betrachtet. Ich glaube hier lass ich wirklich die Fotos selber davon erzählen, da meine Worte diese Farbenprächtigkeit sicher nicht im würdigen Maße widerspiegeln könnten. Nur eins muss gesagt sein. Wer hier an der Ostküste die Sonne so rot über dem Meer sehen will, muss früh aufstehen. Da man leider auf der Ostseite Australiens keine Sonnenuntergänge am Horizont sehen kann, solange man sich nicht auf einer Insel befindet. Ich hoffe, dass irgendjemand meinem Opa die Bilder zeigen kann. Würde mich sehr freuen.

Diese Morgenröte war der perfekte Beginn einer wunderschönen Weihnacht. Nachdem ich im Hostel dann nochmals ein bisschen Schlaf nachgeholt hatte, habe ich ausführlich mit ein paar deutschen Freunden gefrühstückt. Danach habe ich mich in der Stadt auf die Suche nach einer Kirche gemacht, um den ganzen konsumorientierten Weihnachten zumindest kurz am Abend den Rücken zuzukehren. Ich wurde recht schnell fündig und stand vor einer katholischen Kirche. Leider sind die Kirchen in Australien nicht so alt und daher nicht so feierlich. Aber auf die Kirche und den Gottesdienst komme ich nachher noch mal zu sprechen. Nach der erfolgreichen Suche, habe ich die weihnachtliche Stimmung in der Stadt versucht aufzusaugen. So führte mich mein Spaziergang vorbei an Strand, den Geschäften, die gefüllt waren mit den „Last-Minute-Geschenke-Einkäufer“, den vielen Restaurants und Cafés. Da die Australier den Heilige Abend nicht primär feiern, konnte man sehr schnell die vielen europäischen, speziell deutschen Touristen erkennen, die ihr Weihnachtspicknick am Strand gefeiert haben.

Sonst konnte man am Strand noch eine besonders merkwürdige Gattung Mensch beobachten, die in Bikini, schon reichlich geröteter Haut und Santa Claus Mützen der UV-Strahlung frönten.

Der ganze Stress, prickelt während meines Spaziergangs förmlich von mir ab, da ich mein Weihnachten so verbringen konnte wie ich wollte. Ich war nicht gefesselt an Termine, Geschenke besorge und Hektik. Auf der anderen Seite vermisste ich aber auch die Geselligkeit und man mag es kaum glauben, das Wetter. Ja so ein bisschen Schnee und dann einen Glühwein hätte mir schon gefallen. Es wäre schön, dass ganze mit meiner Familie und meinen Freunden teilen zu können. Gut, dass gerade nur die halbe Weltkugel zwischen uns liegt. So beobachte ich in Ruhe wieder Leute. Kleidung ist sehr wichtig. Speziell rote Santa Claus Mützen mussten sein. Man sah vermehrt weihnachtlich geschmückte Leute, ihre Einkäufe nach Hause bringen. In einem Arm die Einkaufstüte von Quicksilver, in der anderen einen Kasten Bier. Ja, am darauffolgenden Tag, dem Christmas Day, also am 25. Dezember sind die Geschäfte geschlossen. Sehr ungewöhnlich in einem Land, in dem sonst die komplette Woche die Läden geöffnet haben. Daher gerieten alle in Panik und musste den Alkohol für die nächsten zwei Tage kaufen. Es waren ja immerhin WeihnachtsFEIERtage. Nachdem ich mir noch einen gesunden, organischen „Fruchtsmoothie“ gegönnt hatten, es war ja immerhin Weihnachten, machte ich mich langsam wieder auf in die Arts Factory.

Angekommen hatte ich grad noch Zeit mich ein bisschen frisch zu machen und was schnelles zu Essen bevor ich mich dann wieder Richtung Stadt, Richtung Gottesdienst aufmachte. Laufen, laufen, laufen. Das ist eigentlich meine Hauptbeschäftigung auf meiner Reise. Da ich sehr oft ohne Schuhe umherwandere, werden meine Füße durch die Hornhaut auch immer unempfindlicher. Ich habe in der Kirche sehr früh gemerkt, dass die Besucher prozentual den gleichen Generationsschichten zuzuordnen waren, wie bei uns. Ich war nicht mehr in der Hillsong-Church, in der viele, sehr viele jugendliche Gläubige unterwegs waren. Hier waren wieder wenige, sehr wenige Jungendliche zu finden. Ministranten gab es gerade drei. Der ganze Gottesdienst war schön, aber nicht sehr feierlich. Der Aufbau war gleich dem einer normalen sonntäglichen Eucharistiefeier. Kein Krippenspiel, kein dramatisches Vorlesen der Weihnachtsgeschichte, dafür aber Stille Nacht, Heilige Nacht. Im Gesangbuch stand der Titel sogar noch in Deutsch. Sogar in der Kirche konnte man die australische „Laid-Back-Mentalität“ beobachten. Kinder hüpften um den Altar und spielten mit den Krippenfiguren. Die Musik bestand aus einer Jazzorgel und einem Schlagzeug. Gesungen wurden amerikanische Christmaschorals. Was mich sehr geärgert hatte, war, dass einer der ersten Lieder, die ich in meinem antikommerziellen Zufluchtsort zu Ohren bekam, „Rudolf, the red nose raindeer“ war. Naja! Im Gottesdienst selber gab es viele Momente in denen in euch daheimgebliebenen gerne gesehen hätte. Ich hätte gerne die tolle Stimmung an Weihnachten zu Hause gespürt mit meiner Familie und meinen Freunden. Gerade nach dem Gottesdienst gab es für mich keine „fröhliche Weihnachten“-Wünsche. Aber dafür ist es ja auch ein anderes Weihnachten, eine neue Erfahrung, eine Erfahrung reicher.

Nach dem schönen Gottesdienst bin ich dann noch zum Strand, auf der Suche nach ein bisschen Unterhaltung. Zu meiner Überraschung war aber am Strand fast keiner anzufinden. Dafür sollte am nächsten Tag der Strand im Mittelpunkt stehen. Daher begnügte ich mich mit der Feier in der Arts Factory. Es ist nur immer schwer zu einer Party dazuzustoßen, wenn alle schon seit fünf Stunden dabei sind. Aber so verbrachte ich den restlichen Abend damit mich mit ein paar neuen Bekanntschaften zu unterhalten. Die Stimmung war recht ausgelassen. Um halb drei habe ich dann beschlossen meinem Bett einen Besuch abzustatten. Leider kam dann die nächste Weihnachtsüberraschung. In meinem Schlafsaal hatte sich ein Paar beschlossen noch ihre körperlichen Weihnachtsgeschenke zu geben. So schloss ich die Tür leise wieder und machte noch einen halbstündigen Spaziergang durch die Arts Factory. Beim zweiten Versuch ins Bett zu gehen, war dann das Licht aus und es war ruhig, sodass ich schön in den 25. Dezember hinein schlafen konnte.

Der nächste Tag begann erst um halb zwölf, zumindest für mich. Nach einem Frühstück habe ich mich dann mit ein paar Freunden kurzgeschlossen, wie wir Weihnachten denn nun endgültig verbringen wollen. Strand, war die einstimmige Entscheidung. Gott sei Dank, hatte die Arts Factory ein großes BBQ organisiert. So machten wir uns auf den halbstündigen Weg zum Strand. Dort erwarteten uns dann schon die über hundert anderen Backpacker. Es gab reichlich Gegrilltes. Vorwiegend Scampis. Dazu gab es Freibier und Freiwein. Die Uhr zeigte inzwischen ein Uhr mittags. So platzierten wir uns zwischen die vielen Gruppen von singenden, lachenden und essenden Leuten. Die Stimmung war super. Die Party hatte den richtigen „Vibe“. Jeder verstand sich mit jedem. Wenn man mal keinen richtigen Spruch zum Beginn einer Konversation auf den Lippen hatte, konnte man allen immer noch „Merry Christmas“ wünschen. So lagen wir nun in der Nähe vom Strand in der Mittagssonne mit BBQ und Bier und feierten unser ganz persönliches, australisches Weihnachten. Anders aber irgendwie wunderschön. Zwischendurch organisierten sich Gruppen zum Cricket oder Fußball spielen. Der Surfboardverleih war an diesem Tag umsonst und das Meer eine willkommene Erfrischung zwischen Scampi, Wassermelone und Bier. Ich habe mich während der Party in Gruppen von Holländern, Kolumbianer und Deutschen (en másse) wiedergefunden. Zwischendurch habe ich dann noch einen Spaziergang zur Aussichtsplattform des östlichsten Punkt Australiens unternommen. Der Tag ging dann so weiter. Als es langsam dunkel wurde haben wir uns alle am Strand versammelt, um die Weihnachtssonne untergehen zu sehen. Dabei sind auch die Sonnenuntergangsbilder entstanden. Bevor es komplett dunkel wurde, machten wir uns auf den Heimweg, Richtung Arts Factory. Dort feierten wir dann noch ein bisschen weiter bis ich mich dann glücklich ins Bett aufmachte. Dieses Mal ohne Überraschungen.

Oh mate, what a wicked chrissie!! Ich hatte echt ein wunderschönes Weihnachten und hoffe ihr auch.

Merry Christmas!

Bis dann

Euer Flo

Mein Weihnachten 2007

Chrismas Byron Bay

Dienstag, 18. Dezember 2007

Fröhliche und friedvolle Weihnachten!!!

Hi an alle,

Ich wünsche euch zuerst mal frohe Weihnachten. Ich hoffe ihr habt eine schöne Adventszeit hinter euch und ein gesegnetes Weihnachtsfest vor euch.
Ich bin immer noch in der Hafenstadt Port Macquarie, in der ich meine letzten zwei Wochen verbracht habe. Das ich hier so lange geblieben bin, liegt daran, dass in meinem Hostel eine kleine Arbeitsstelle gefunden habe. Ich war ja die ganze Zeit auf der Suche nach Arbeit zwischen Sydney und Byron Bay, wo ich mein Weihnachten und Sylvester verbringen werde. Mit Arbeit sah es aber sehr sehr schlecht aus. Zuerst weil es in dieser Gegend um diese Zeit nicht viel Arbeit gibt und zweitens weil ich kein Auto zur Verfügung habe, mit dem ich zu den kleinen Farmen kommen kann. So kam ich eines morgens in Port Macquarie an und habe gesehn, dass das Hostel, in dem übernachten sollte, eine Arbeiterkraft sucht. Den Job habe ich dann direkt am nächsten Tag bekommen. Das Prinizip hinter der Arbeit ist ganz einfach. Ich arbeite ungefähr 12 Stunden in der Woche und kann dafür umsonst im Hostel bleiben. Ich kann daher nicht wirklich Geld anhäufen, aber zumindestens spare ich mir knapp 25 Dollar am Tag für die Übernachtung. Die Arbeit ist echt ein Witz. Ich muss jeden Abend eine Stunde die Küche putzen und die Badezimmer checken. Am Wochenende muss ich darüberhinaus noch 3 Stunden in der Früh die Betten im ganzen Hostel beziehen, die Klos und Duschen putzen und die Küche wieder auf Vordermann bringen.
Die Stadt selber hat nicht so viel zu bieten, zumal das Wetter echt bescheiden ist. Der Himmel ist grau, es ist windig und es regnet zu oft. Aber ich darf mich nicht geklagen, da ihr sicher mit sehr viel kälteren Temperaturen auskommen müsst. Ich habe also die letzten zwei Wochen eher mit Lesen und Unterhaltungen verbracht als viel mit Sightseeing.
Die Unterhaltungen im Hostel sind aber leider sehr oft die selben, da Port Macquarie eine "Durchfahrtsstadt" zwischen Sydney und Bryon Bay ist. Die meisten bleiben gerade mal für eine Nacht, um dann am nächsten Morgen den Bus Richtung Norden oder Süden zu nehmen. Daher beschränken sich die Unterhaltungen meist auf den Austausch von Erfahrungen und Reiserouten.
Ich möchte euch nun noch kurz meine "Vorweihnachtszeit" schildern. Dauert nicht lange. Es gab sie ja eigentlich nicht wirklich.
Advent wird hier nicht gefeiert und auch sonst habe ich von Weihnachten nicht viel mitbekommen bisher. Der einzige Ort hier an dem man Weihnachten "erleben" kann, ist in den Kaufhäusern. Die Weihnacht beschränkt sich hier auf das Austauschen von Geschenken und auf das Überbieten an geschmacklosen Kitsch in den Häusern.
Ein paar Impressionen: Die Weihnachtsbäume bestehen aus Plastiknadeln (die High End Version hat sogar Plastikschnee auf den Plastiknadeln) und die alten Damen tragen Papierengel als Ohrringe. Der obligatorische Santa Claus ist in jedem größeren Konsumpalast zu entdecken. Mit ihm zusammen können sich Kinder für viel Geld fotografieren lassen. Im Aldi, ja den gibt es hier wirklich, kann man deutschen Spekulatius und Weihnachtsstollen kaufen. Die Häuser sind vielen bunten Lichter geschmückt. In Sydney stehen Chöre, die Weihnachtschorale singen, während sie sich den Schweiß von der Stirn wischen.
Es fällt mir insgesamt auf, dass sich Weihnachten primär auf den Weihachtstag beschränkt. All die schönen ruhigen Minuten, die man in der deutschen Vorweihnachtszeit auf den Weihnachtsmarkt erhaschen kann, sind hier Mangelware. Aber so werde ich mal wieder um eine Erfahrung reicher werden. Immer werde sicher ein große Party am Weihnachtstag haben. Ich freue mich schon drauf.
Achso! Der gemeine Australier spielt Cricket am Strand zu Weihnachten habe ich mir sagen lassen. Naja, mal schauen. Ich werde mein Weihnachten in einem wunderschönen Hostel mit Pool in Byron Bay verbringen. Ich bin mir nur noch nicht sicher, ob ich den 24. oder den 25. feiern werde. Vielleicht feier ich ja beides.
Ich wünsche euch allen nochmals eine schöne, ruhige und friedliche Weihnacht. Ich denke an euch!!

Euer Flo

Donnerstag, 6. Dezember 2007

Von Musik, Politik und ganz viel schöner Landschaft

Dieser Bericht wartet schon seit über eine Woche sehnsüchtigst niedergeschrieben zu werden. Da ich hier auf meiner Weiterreise Richtung Norden im kleinen Städtchen Newcastle nicht mit wirklich gutem Wetter gesegnet bin, nehme ich mir mal die Zeit von meiner Woche in den Blue Mountains und speziell in der kleinen Stadt Katoomba zu erzählen, welche sich etwa drei Stunden westlich von Sydney befindet. Angefangen hat es damit, dass ich von Sydney aus eine geführte Tour in die Blue Mountains gebucht habe. Die geführten Touren sind oft sehr gut, da sie von „locals“ organisiert werden, die immer die eine oder andere Anekdote parat haben.

So machte ich mich zur sehr frühen Morgenstunde auf. Unser erster Stopp ermöglichte es mir Bekanntschaft mit Kängurus zu machen. Sie waren eingezäunt, daher zählt das glaube ich noch nicht richtig als freie Kängurus. Aber die werde ich auch schon noch sehen. Das Wetter machte uns dann den Vormittag über einen Strich durch die Rechnung, sodass wir zwar auf die Aussichtsplattformen kamen, aber durch den Nebel, der sich vom Tal bis zu uns hoch ausgebreitet hatte, nur den Berglandschaft erahnen konnten. Der Nebel löste sich aber recht schnell gegen Mittag auf, sodass wir unsere Wanderung beginnen konnten. Es ging dann gut 2 Stunden durch den Regenwald. Es war dieses Mal, Gott sei Dank, nicht so rutschig, wie in Chiang Mai/Thailand. Der Regenwald war beeindruckend, dadurch, dass er mehr Farben vorzuweisen hatte als Chiang Mai. Auch konnte ich Papageien und Eidechsen beobachten. Zwischen den Baumwipfeln konnte man immer wieder das unbeschreibliche Panorama der „Blue Mountains“ erahnen. Ich hoffe, dass die Fotos einigermaßen die Wirklichkeit widerspiegeln. Apropos: Die Blue Mountains haben ihren Namen den Eukalyptusblättern zu verdanken, deren Öl diffundiert, aufsteigt und dann durch die Sonneneinstrahlung von der Ferne den Wald bläulich erscheinen lässt. Die ganze Gegend ist atemberaubend schön. Sie wurde aber die letzen Jahre durch viele schwere Waldbrände ganz schön in Mitleidenschaft gezogen. Ich glaube man kann es auf dem einen Bild sehr schön sehen, wenn man es mit den anderen Bildern vergleicht.

Nach ausgiebiger Naturbewunderung machte sich dann die Reisegruppe wieder auf ihren Heimweg nach Sydney. Ich hatte aber schon vorher mit dem Fahrer ausgemacht, dass er mich in Katoomba absetzen soll, wo ich erst nur zwei, am Schluss aber sechs weitere Tage, bleiben sollte. Die Jugendherberge, geschmückt mit einigen landesweiten Preisen, war sehr sauber und schön eingerichtet. Aber der ganze Luxus und die Größe konnten nicht davon ablenken, dass es leider kein soziales Leben gab. Ich war es aus Sydney, speziell von Bondi Beach, gewohnt, in die Küche zu kommen und während des Kochens immer jemanden zum Gedankenaustausch zu haben. Das war leider in Katoomba nicht der Fall. Das kleine Städtchen aber war mir irgendwie von Anfang an sehr sympathisch. Die Leute, die man auf der Straße traf, waren sehr oft von ihrer Lebensweise und ihrem Aussehen nach in den späten 70er Jahre stehen geblieben sind. Lange Haare, einen Bart und ne Kippe im Mund war das Kennzeichen der Einwohner dieses verschlafenen Städtchens. Und verschlafen meine ich ehrlich, da hier nicht sehr viel passiert. Die Menschen sitzen im Café oder schlendern durch die Geschäfte, die meist mit antiken Büchern oder Möbeln bestückt sind. Es gibt reichlich vegetarische Restaurants und eine gute Bar, in der abends der für diese Stadt berühmte Mix zwischen Jazz, Funk und Hip Hop live gespielt wird. Ich war echt sehr beeindruckt von diesem Club. Nicht nur, dass die Musik einem vom Hocker direkt auf die Tanzfläche geschmissen hat, sondern es waren alle Generation sowohl im Publikum wie auch bei der Jamsession auf der Bühne vertreten. Und alle vertrugen sich prächtig, aufgeheizt durch die Musik. Und richtig Betrunkene gibt es hier auch nicht, da per Gesetz von der Regierung vorschrieben ist, dass kein Alkohol an Betrunkene ausgegeben werden darf. Und zum Rauchen muss man sich auch mit einem Bereich außerhalb begnügen. Das wiederum erleichtert das Auslüften der Kleidung am nächsten Morgen erheblich. Speziell für Backpacker, die des häufigen Waschens ihrer Kleidung müde sind, ist die eine große Errungenschaft.

Am Tag danach machte ich in einem Café Bekanntschaft mit zwei Boheme, welche ihr auf den Fotos sehn könnt. Der eine (links) ist Skulpturenkünstler, der andere (folglich rechts) Jazz-Gitarrist. Ich hatte eine außerordentlich interessante Unterhaltung mit ihnen. Eigentlich das erste Mal, dass ich mich überhaupt mit jemanden in Australien über Politik unterhalten hatte. Die ganze Diskussion ausführlich noch mal darzulegen, würde den Rahmen dieses Berichts sprengen, aber ein paar interessante Einzelheiten möchte ich euch doch mitteilen. Zuerst müsst ihr wissen, dass der gemeine Australier nicht sehr viel mehr als Sport zu seinen Interessen zählt. Daher ist die Politik hier nicht so das große Thema. Ich habe ihnen dann erklärt, wie die heutige Situation in Deutschland ist, dass die rechte politische Seite, in Form der NPD, wieder Aufwind gewinnt, in dem sie junge, dumme, naive Kinder oder Jugendlichen mit ihren einfachen Antworten auf ihre schwierigen Lebensfragen, rekrutiert. Und dass es immer wieder zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Rechts, Links und Polizei käme. Das konnten sich diese beiden Künstler gar nicht vorstellen. Sie antworteten mir, dass die Australier einfach nicht so leidenschaftlich in Sachen Politik sind, sowie in keinem Bereich ihres Lebens sehr leidenschaftlich sind. Und das berichtete mir ein Künstler, der sicher dem linken Gedankengut zuzuordnen war. Zumindest lag ein Buch von Hermann Hesse vor ihm auf dem Tisch. So ist die Universität, z.B., links eingestellt und die Regierung war bis vor einer Woche eher konservativ, aber es gibt keinen Unmut, da beide Seiten keinen Sinn dahinter verstehen, groß zu demonstrieren um ihre Meinung kundzutun. Der Rassismus in Australiern gegenüber ihren Ureinwohner nimmt kontinuierlich ab, ist aber immer noch vorhanden, vor allen auf dem Lande.

Sport, Sport und nochmals Sport. So ist das Leben für einen in Australien lebenden Musiker auch nicht sehr angenehm, wenn man nicht gerade Kylie Minogue, Midnight Oil oder Silverchair heißt. Die meisten Musiker versuchen hier technisch so gut wie möglich zu werden, um dann den schnellsten Weg Übersee zu finden, da in Australien kein Geld mit Musik zu machen ist. Bildende Künstler kommen langsam auf, aber Australien hat keine wirklichen Künstler bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. Insgesamt erzählten mir die beiden, gibt es hier leider kein kulturelles Erbe auf das man Stolz sein kann, sodass kein wirkliches Identifikationsgefühl mit ihrem Land im kulturellen Sinne vorzufinden ist.

Um noch mal auf die politische Seite zurückzukehren. Es fanden letzte Woche die Regierungswahlen statt. Mitbekommen hat man nicht so viel davon. Aber herausgekommen ist, dass Kevin Rudd von der Labor-Party nun Ministerpräsident ist, und, dass heißt das das Kyoto-Protokoll von Australien unterschrieben wird. Ansonsten wird ein eher umweltfreundlicherer Kurs eingeschlagen.

Der Skulpturenkünstler machte mich dann noch auf einen buddhistischen Tempel in Katoomba aufmerksam, von dessen Erfahrungen aber einen gesonderten Bericht verdienen, der noch folgt.

P.S.: Ich freue mich immer riesig über Kommentare. Sie können auch kritisch sein. ;) Danke Mama!!!

P.P.S.: Ich schreibe die Artikel immer nur schnell runter, sodass ich sie weder noch mal durchlese noch ein Rechtschreibprogramm drüber laufen lasse. Und by the way, die Rechtschreibfehler, die ich mache, haben alle einen höheren Sinn. Glaubt mir!!.

Montag, 3. Dezember 2007

Katoomba and the Blue Mountains

Katoomba und die Blue Mountains
Olympia park und Elton John

Ein Tag im sportlichen Welterbe mit grandiosem Ende

Heute hatte ich solches Glück und das gleich zweimal. Angefangen hat es damit, dass ich es am Donnerstag nicht geschafft hatte, meinen Besuch im Olympischen Zentrum zu machen. Daher fuhr ich am nächsten Tag ohne Vorahnung von meinem späteren Glück recht spät am Tage Richtung Olympiastadium. Die Strecken sind ja in Australien immer ein bisschen länger, sodass ich nach knapp einer Stunde, aber immer noch in Sydney, im Zentrum des sportlichen Weltinteresses im Jahre 2000 ankam. Aber ich wurde zuerst enttäuscht, da ich dachte eine Ausstellung oder ähnliches vorzufinden. Die einzige Möglichkeit ein bisschen von dem Feeling der damaligen Zeit mitzuerleben offenbarte mir ein geführter Rundgang durch Stadium, welches hier auch einer großen Telekommunikationsgesellschaft gehört und daher mit deren Namen „geschmückt“ ist. Das Stadium ist, wie ihr auf den Bilder sehen könnt, mächtig groß und sehr modern. So wurde aber die vorherige Sitzplatzmenge von 110.000 auf knappe 85.000 heruntergeschraubt, um die AFL, die Australian Football League, im neuen Stadium willkommen zu heißen. Kurz am Rande: Australian Football, ist die australische Version des Rugbys. Selber war mir noch nicht die Ehre zu teil diesem Spektakel beizuwohnen, aber Erzählungen nach ist es um einiges härter als Rugby und es gibt quasi keine Regeln. Ein anderer Bekannter kommentierte den Sport wie „Basketball in den USA; irgendwie Ballett“.

Weiter im Text. Die Tour führte uns durch Journalistenräumen, die kargen Umkleidekabinen der Mannschaften, Aufwärmbereiche und natürlich die VIP-Räume. Hierbei muss erwähnt werden, dass dieses Stadium im Privatbesitz von fünf grossen Unternehmen ist. Darunter die größte australische Fluggesellschaft und die Firma mit der roten geschwungenen Schrift, die den amerikanischen Kapitalismus wohl am meisten symbolisiert. Die Erlaubnis für diese Bereiche kann im Jahr gute 120.000 Euro pro Person kosten. Dafür hat man aber gesicherte Plätze für alle Ereignisse sportlicher wie musikalischer Art.

Sonst war leider auf dem olympischen Gelände nicht sehr viel mehr zu sehen. So machte ich mich auf den Heimweg. Es war inzwischen schon fünf Uhr abends als ich eine große Menschentraube vor dem Eingang der Olympiahalle, in der alle großen Konzerte Sydneys stattfinden, bemerkte. Um nicht irgendwas Kostenloses zu verpassen, näherte ich mich der Halle und fragte die umstehenden Leute, was hier los sei. Ich hatte schon die Vermutung, dass es sich um ein Konzert handeln könnte. Da die Menschen aber durchwegs doppelt so alt waren wie ich, kam ein Konzert einer modernen Rockband nicht in Frage. Es stellte sich dann zu meiner vollkommenen Glückseligkeit heraus, dass es sich um das Solo-Konzert von Elton John handelt. Und wer mich kennt, der weiß ja wie ich dann ausgeflippt bin. Aber auf der anderen Seite, dachte ich mir, dass es eh keine Karten mehr geben wird, aber ein Versuch war es mir alle mal wert. Also suchte ich so schnell wie möglich den nächsten Kassenautomaten.

Es gab noch Karten! J Die billigste lag bei 100 Dollar!! L

Oh Mann, das war vielleicht eine Entscheidung. 100 Dollar sind viel Geld, wenn man ein Jahr unterwegs ist, aber auf der anderen Seite ist Elton ja schon 60 und wer weiß ob der nicht doch irgendwann mal ins Gras beißt. War das zu böse?? Naja, zumindest werde ich diese Chance vielleicht nie wieder kriegen. So haderte und zauderte ich eine Weile, den Blick immer Richtung Halle und dem großen Plakat mit Elton Johns Gesicht darauf. Der entscheidende Schritt gelang mir dann aber erst nachdem ich mich mit meiner Mutter kurzgeschlossen hatte. Danke noch mal Mama!!!

So machte ich mich auf, mein Herz schlug mir bis zu Hals. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich soviel Glück hatte genau am richtigen Ort zur richtigen Zeit gewesen zu sein. So betrat ich die Halle, als ein Mann auf mich zukam. Ich weiß immer noch nicht wirklich warum er gerade mich auswählte. Naja, ich sah direkt das kleine Schildchen mit der Aufschrift Elton John Staff an seiner Hose hängen. Die Frage seinerseits kam prompt: „Bist du Elton John Fan?“ Mein Antwort kam noch sehr viel schneller: „Ja sicher, bin ich Elton Fan. Da ist wie ein Traum, der für mich gerade in Erfüllung geht“. Ich erzählte ihm noch kurz, dass ich eigentlich ganz zufällig hier war und dass ich mich so freue hier sein zu dürfen. Meine Antwort war natürlich durch mein unglaubliches Glücksgefühl in dieser Situation hoch emotional. Aber damit traf ich den Jackpot. Der Herr, sagte er würde mir die Karte gegen eine andere eintauschen, und zwar, jetzt kommt es, in der ersten Reihe genau der Mittelplatz vor dem Flügel von Elton John.

Wenn Red Bull Flügel verleiht, weiß ich nicht wie viele ich hätte trinken müssen um dieses Gefühl zu haben. Nicht nur, dass ich rein zufällig am richtigen Tag im Olympiazentrum war, nein, ich werde das Konzert auch noch aus der ersten Reihe erleben. Da ich die Kartenpreise vorher gesehen hatte, wusste ich, dass diese Karte 400 Dollar wert war. Aber im Endeffekt hat sie einen unbeschreiblichen Wert, da Elton John, die besten Plätze für Leute reserviert die vorher ausgewählt werden. Daher kommt man an die Karten nicht ran. So nun machte ich mich auf die meine Kategorie „GOLD“.

Alle Besucher waren aufs äußerste herausgeputzt mit Anzug und Kleidern, zumindest in der teuersten Kategorie. Die Damen versuchten den lieben Elton wohl wieder auf die Frauenseite zu holen. Naja und mitten unter den Gästen mit ihren edlen Roben und den finanziellen Möglichkeiten 400 Dollar pro Karte auszugeben, saß dann ich. Ich, mit meiner kurzen Shorts, den dreckigen T-Shirt, meinem Wanderrucksack und der Kamera um den Hals. Ja, ich wusste ja nicht, dass ich auf ein Konzert gehen werde. Ich will ja nicht wissen, was die anderen Besucher von mir in der ersten Reihe dachten. Zu mir gesellten sich dann bis zum Anfang des Konzertes noch 4 glückliche Gäste. Ein Junge in meinem Alter mit seiner Mutter, und eine schwules Paar aus Kanada. Achso, der Junge mit seiner Mutter war auch schwul, stellte sich im nach hinein heraus. Ob das das Auswahlkriterium war???

Das Konzert selber war der Hammer. Angefangen hat der kleine Herr im schwarzen Frack, welcher mit Schmetterlingen verziehrt war und seiner Sonnenbrille, mit „Your Song“ für einen am Sonntag davor verstorbenen Freund und geendet hat es mit „Circle of life“. Dazwischen lag gut zwei ein halb Stunden pures Rock’n’Roll Klavier mit romantischen Pausen. Ich glaube zusammen genommen hat er mehr solo Klavier gespielt als dass er gesungen hat. Wer Elton John nicht live oder auf DVD gesehen hat, kennt ihn echt nicht. Das schöne war ich spürte gar nicht, dass tausende von Leuten hinter mir saßen, die Halle war voll. Es war wie ein Konzert nur für mich und die erste Reihe. Der Flügel war vielleicht fünf Meter von mir entfernt. So hatte ich beste Sicht auf Eltons fünf Minuten Intros..

Ich habe noch nie so ein Konzert von nur einer Peron auf der Bühne erlebt. Unglaublich, wie er alle mitgerissen hat. Und dass ohne hämmerndes Schlagzeug oder schnelle Gitarrensolos. Einfach unglaublich, der Sir Elton John, der Mister Rocketman!!!

Der Abend endete dann damit, dass ich mit den anderen drei Glücklichen noch was trinken gegangen bin, natürlich in die Schwulenbars, für die ja Sydney bekannt ist.