Donnerstag, 6. Dezember 2007

Von Musik, Politik und ganz viel schöner Landschaft

Dieser Bericht wartet schon seit über eine Woche sehnsüchtigst niedergeschrieben zu werden. Da ich hier auf meiner Weiterreise Richtung Norden im kleinen Städtchen Newcastle nicht mit wirklich gutem Wetter gesegnet bin, nehme ich mir mal die Zeit von meiner Woche in den Blue Mountains und speziell in der kleinen Stadt Katoomba zu erzählen, welche sich etwa drei Stunden westlich von Sydney befindet. Angefangen hat es damit, dass ich von Sydney aus eine geführte Tour in die Blue Mountains gebucht habe. Die geführten Touren sind oft sehr gut, da sie von „locals“ organisiert werden, die immer die eine oder andere Anekdote parat haben.

So machte ich mich zur sehr frühen Morgenstunde auf. Unser erster Stopp ermöglichte es mir Bekanntschaft mit Kängurus zu machen. Sie waren eingezäunt, daher zählt das glaube ich noch nicht richtig als freie Kängurus. Aber die werde ich auch schon noch sehen. Das Wetter machte uns dann den Vormittag über einen Strich durch die Rechnung, sodass wir zwar auf die Aussichtsplattformen kamen, aber durch den Nebel, der sich vom Tal bis zu uns hoch ausgebreitet hatte, nur den Berglandschaft erahnen konnten. Der Nebel löste sich aber recht schnell gegen Mittag auf, sodass wir unsere Wanderung beginnen konnten. Es ging dann gut 2 Stunden durch den Regenwald. Es war dieses Mal, Gott sei Dank, nicht so rutschig, wie in Chiang Mai/Thailand. Der Regenwald war beeindruckend, dadurch, dass er mehr Farben vorzuweisen hatte als Chiang Mai. Auch konnte ich Papageien und Eidechsen beobachten. Zwischen den Baumwipfeln konnte man immer wieder das unbeschreibliche Panorama der „Blue Mountains“ erahnen. Ich hoffe, dass die Fotos einigermaßen die Wirklichkeit widerspiegeln. Apropos: Die Blue Mountains haben ihren Namen den Eukalyptusblättern zu verdanken, deren Öl diffundiert, aufsteigt und dann durch die Sonneneinstrahlung von der Ferne den Wald bläulich erscheinen lässt. Die ganze Gegend ist atemberaubend schön. Sie wurde aber die letzen Jahre durch viele schwere Waldbrände ganz schön in Mitleidenschaft gezogen. Ich glaube man kann es auf dem einen Bild sehr schön sehen, wenn man es mit den anderen Bildern vergleicht.

Nach ausgiebiger Naturbewunderung machte sich dann die Reisegruppe wieder auf ihren Heimweg nach Sydney. Ich hatte aber schon vorher mit dem Fahrer ausgemacht, dass er mich in Katoomba absetzen soll, wo ich erst nur zwei, am Schluss aber sechs weitere Tage, bleiben sollte. Die Jugendherberge, geschmückt mit einigen landesweiten Preisen, war sehr sauber und schön eingerichtet. Aber der ganze Luxus und die Größe konnten nicht davon ablenken, dass es leider kein soziales Leben gab. Ich war es aus Sydney, speziell von Bondi Beach, gewohnt, in die Küche zu kommen und während des Kochens immer jemanden zum Gedankenaustausch zu haben. Das war leider in Katoomba nicht der Fall. Das kleine Städtchen aber war mir irgendwie von Anfang an sehr sympathisch. Die Leute, die man auf der Straße traf, waren sehr oft von ihrer Lebensweise und ihrem Aussehen nach in den späten 70er Jahre stehen geblieben sind. Lange Haare, einen Bart und ne Kippe im Mund war das Kennzeichen der Einwohner dieses verschlafenen Städtchens. Und verschlafen meine ich ehrlich, da hier nicht sehr viel passiert. Die Menschen sitzen im Café oder schlendern durch die Geschäfte, die meist mit antiken Büchern oder Möbeln bestückt sind. Es gibt reichlich vegetarische Restaurants und eine gute Bar, in der abends der für diese Stadt berühmte Mix zwischen Jazz, Funk und Hip Hop live gespielt wird. Ich war echt sehr beeindruckt von diesem Club. Nicht nur, dass die Musik einem vom Hocker direkt auf die Tanzfläche geschmissen hat, sondern es waren alle Generation sowohl im Publikum wie auch bei der Jamsession auf der Bühne vertreten. Und alle vertrugen sich prächtig, aufgeheizt durch die Musik. Und richtig Betrunkene gibt es hier auch nicht, da per Gesetz von der Regierung vorschrieben ist, dass kein Alkohol an Betrunkene ausgegeben werden darf. Und zum Rauchen muss man sich auch mit einem Bereich außerhalb begnügen. Das wiederum erleichtert das Auslüften der Kleidung am nächsten Morgen erheblich. Speziell für Backpacker, die des häufigen Waschens ihrer Kleidung müde sind, ist die eine große Errungenschaft.

Am Tag danach machte ich in einem Café Bekanntschaft mit zwei Boheme, welche ihr auf den Fotos sehn könnt. Der eine (links) ist Skulpturenkünstler, der andere (folglich rechts) Jazz-Gitarrist. Ich hatte eine außerordentlich interessante Unterhaltung mit ihnen. Eigentlich das erste Mal, dass ich mich überhaupt mit jemanden in Australien über Politik unterhalten hatte. Die ganze Diskussion ausführlich noch mal darzulegen, würde den Rahmen dieses Berichts sprengen, aber ein paar interessante Einzelheiten möchte ich euch doch mitteilen. Zuerst müsst ihr wissen, dass der gemeine Australier nicht sehr viel mehr als Sport zu seinen Interessen zählt. Daher ist die Politik hier nicht so das große Thema. Ich habe ihnen dann erklärt, wie die heutige Situation in Deutschland ist, dass die rechte politische Seite, in Form der NPD, wieder Aufwind gewinnt, in dem sie junge, dumme, naive Kinder oder Jugendlichen mit ihren einfachen Antworten auf ihre schwierigen Lebensfragen, rekrutiert. Und dass es immer wieder zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Rechts, Links und Polizei käme. Das konnten sich diese beiden Künstler gar nicht vorstellen. Sie antworteten mir, dass die Australier einfach nicht so leidenschaftlich in Sachen Politik sind, sowie in keinem Bereich ihres Lebens sehr leidenschaftlich sind. Und das berichtete mir ein Künstler, der sicher dem linken Gedankengut zuzuordnen war. Zumindest lag ein Buch von Hermann Hesse vor ihm auf dem Tisch. So ist die Universität, z.B., links eingestellt und die Regierung war bis vor einer Woche eher konservativ, aber es gibt keinen Unmut, da beide Seiten keinen Sinn dahinter verstehen, groß zu demonstrieren um ihre Meinung kundzutun. Der Rassismus in Australiern gegenüber ihren Ureinwohner nimmt kontinuierlich ab, ist aber immer noch vorhanden, vor allen auf dem Lande.

Sport, Sport und nochmals Sport. So ist das Leben für einen in Australien lebenden Musiker auch nicht sehr angenehm, wenn man nicht gerade Kylie Minogue, Midnight Oil oder Silverchair heißt. Die meisten Musiker versuchen hier technisch so gut wie möglich zu werden, um dann den schnellsten Weg Übersee zu finden, da in Australien kein Geld mit Musik zu machen ist. Bildende Künstler kommen langsam auf, aber Australien hat keine wirklichen Künstler bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. Insgesamt erzählten mir die beiden, gibt es hier leider kein kulturelles Erbe auf das man Stolz sein kann, sodass kein wirkliches Identifikationsgefühl mit ihrem Land im kulturellen Sinne vorzufinden ist.

Um noch mal auf die politische Seite zurückzukehren. Es fanden letzte Woche die Regierungswahlen statt. Mitbekommen hat man nicht so viel davon. Aber herausgekommen ist, dass Kevin Rudd von der Labor-Party nun Ministerpräsident ist, und, dass heißt das das Kyoto-Protokoll von Australien unterschrieben wird. Ansonsten wird ein eher umweltfreundlicherer Kurs eingeschlagen.

Der Skulpturenkünstler machte mich dann noch auf einen buddhistischen Tempel in Katoomba aufmerksam, von dessen Erfahrungen aber einen gesonderten Bericht verdienen, der noch folgt.

P.S.: Ich freue mich immer riesig über Kommentare. Sie können auch kritisch sein. ;) Danke Mama!!!

P.P.S.: Ich schreibe die Artikel immer nur schnell runter, sodass ich sie weder noch mal durchlese noch ein Rechtschreibprogramm drüber laufen lasse. Und by the way, die Rechtschreibfehler, die ich mache, haben alle einen höheren Sinn. Glaubt mir!!.

5 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Vielleicht lebt man ja ohne Politik wirklich sorgloser, warum sollte sonst jeder nach Australien wollen? Halte weiter gut Ausschau nach den Beuteltieren!
Neidvoll - Uschi

Anonym hat gesagt…

nein ich glaube ohne politik lebt man ganz sicher nicht sorgloser und ich denke dass einfach zu viele menschen in deutschland und in australien scheuklappen aufhaben und sich denken dass die etablierten parteien, die jedes jahr gewählt werden, schon alles richten werden.
- mit welch interesanten leuten du dich immer rumtreibst...ich sprotze nur so vor neid wenn ich daran denke jetzt auch in australien sein zu dürfen..mach et jut patrick

Anonym hat gesagt…

Wundert mich, dass gerade die Musikszene in Australien von den Leuten so pessimistisch gesehen wird. Als ich da war - 04/05 - gab es eine unglaubliche Euphorie; grosse Radiosender spielten bis zu 70% australische Musik, Hip-Hop, Rock und Roots-Reggae / Folk waren frisch, eigenstaendig im Stil-- es gab schlicht eine Musikkultur, wie es sie in Deutschland mal teilweise zu Zeiten des guten Deutschraps (Freundeskreis, Dynamite Deluxe,..) gab. Westaustralien dachte sogar laut darueber nach, sich auf den Weg zur Unabhaeng zu begeben, weil ihre Kultur so eigenstaendig sei (was insbesondere an der selbstbewussten Musikkultur lag!).

Die politische Teilnahmslosigkeit ist aber wirklich ernuechternd zu sehen. Gerade beim Thema Aborigines haben die Australier eine seelenlose Zweckpolitik geduldet, die Wirtschaftsinteressen offenkundig ueber das Ueberleben der Kultur gestellt hat. Mit der neuen Regierung duerfte sich dieser Kurs allerdings wieder deutlich aendern. Gerade der neue Umweltminister (und Midnight Oil Saenger) Peter Garrett is echt klasse!
Grund fuer diese Politikunkultur der Australier ist aber glaub ich schlichtweg die Geographie. In den Staedten konzentriert sich das politische Geschehen; die meisten Australier leben aber in Vororten oder auf dem Land, wo sie ein Grossteil der Streitfragen, mit denen sich die Parteien befassen, nicht beruehrt. Fuer den Menschen, der so lebt, ist es ein Gefuehl der Freiheit und Unabhaengigkeit - man hat die Dinge, die wichtig fuer einen sind, selbst in der Hand; Politik ist fern und unbedeutend. Fuer Minderheiten und grosse Ideale endet das aber in der Stagnation.
Ok, ich komm mit meiner Abhandlung eh auf keinen gruenen Zweig.. es sprengt den Rahmen, wie du schon im Artikel gemeint hast, Flo ;)

Lass es dir also gut gehen und nutze die Zeit, in der du dieser anderen Gesellschaft so hautnah bist zum Denken!

Alles Gute, Thomas

Flo hat gesagt…

Erstmal freue ich mich riesig über gleich 3 Kommentare.
Vielleicht ist das mit der Musik ein bisschen falsch rübergekommen. Es gibt schon sehr viel Musik hier. Aber ist sehr schwer davon zu leben, wenn man sich nicht gerade einem großen Musikkonzern unterordnen will. In dieser Hinsicht wird es einem Musikern in Europa leichter gemacht. So lebt der Jazzgitarrist den ich getroffen haben von Sozialhilfe, da er so ungefähr 50 Dollar am Abend verdienen kann.
Also ich wünsch euch was!

Anonym hat gesagt…

Nun traue ich mich auch mal in das Kommentarfeld und siehe da, es ist gar nicht so schwer!
Lieber Flo, Deine Berichte sind unglaublich und auch wenn ich noch nicht im Kommentarfeld erschienen bin (wird sich ändern!!) bin ich ein regelmäßiger "Reinseher" und Leser!
Gruß aus dem vorwinterlichen Spardorf!
Wolfhart